Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiß

Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiß





Die pure Leidenschaft

"Scheiße!", dachte Pablo Berger, als er im Mai 2011 zum ersten Mal von "The Artist" hörte: Ein Stummfilm in Schwarz-Weiß verzauberte bei den Filmfestspielen von Cannes die Zuschauer und die Kritiker. Ein Stummfilm so wie der, an dem Berger schon seit acht Jahren arbeitete! "Das war wie ein Kübel kaltes Wasser auf den Kopf", erinnert sich der spanische Regisseur. "Aber da ich eigentlich am Ende alles positiv sehe, habe ich dann gedacht, ach was, das ist doch gut. Am Ende wird es uns nützen." Tatsächlich wurde "Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiß" (2012) am Ende mit Festivalpreisen nur so überhäuft - und das hat längst nicht nur mit der Beliebtheit von "The Artist" zu tun.

In wie vielen Variationen die Geschichte des titelgebenden Schneewittchens auch schon erzählt wurde, in einer Stierkampfarena begann sie zuvor wohl noch nie. Denn Pablo Bergers Schneewittchen Carmen (erst Sofía Oria, dann Macarena García) ist nicht die Tochter eines Königs, sondern die eines gefeierten Matadors (Daniel Giménez Cacho), der an einem einzigen tragischen Tag sowohl seine geliebte Frau als auch die Fähigkeit zu gehen verlor. Seine Krankenschwester Encarna (Maribel Verdú) pflegte ihn nur so lange liebevoll, bis er den Fehler machte, sie zur Frau zu nehmen. Seither lässt sie ihren Mann im Rollstuhl versauern und die Stieftochter wie ein Aschenputtel schuften - bis der bösen Stiefmutter eines Tages mörderische Ideen kommen.

Kaum eine Texttafel ist nötig, um das Geschehen auf der Leinwand zu erklären, so ausdrucksstark und präzise ist das Spiel des hervorragenden Ensembles - angeführt von Maribel Verdú ("Pans Labyrinth"), die es versteht, ihre berechnende, niederträchtige Figur mit einem einzigen Augenaufschlag zu charakterisieren.

Genauso geschickt und überlegt schöpft Pablo Berger all die gestalterischen Mittel aus, die Kamera, Schnitt und Orchester zu bieten haben. Ein Zusammenspiel, dass man in so kraftvoller, virtuoser Form leider nur noch selten sieht. Jeder Szene wohnt eine unbändige Leidenschaft, eine große Sehnsucht inne, die mal schwindelig, mal sprachlos macht - und von der ersten bis zur letzten Minute fesselt.

Quelle: teleschau - der mediendienst