Die Eiskönigin - Völlig unverfroren

Die Eiskönigin - Völlig unverfroren





In einem gefühlskalten Land

Alle reden von der Klimaerwärmung - und Disney lässt es klirrend kalt werden und so gnadenlos arktisch schneien, dass man auch im Kinosessel unwillkürlich beginnt, die Zehen in den Schuhen einzuziehen. Der Winter-Weihnachtsfilm "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren" lehnt sich locker an den Kunstmärchen-Klassiker "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersen an und erzählt eine jahreszeitgerechte Mischung aus ein wenig kindlicher Action im Kampf mit Eisriesen und Wölfen, in erster Linie allerdings eine Liebesgeschichte, die von der Schmelzkraft von Treue und Zuneigung berichten möchte. So richtig warm wird man mit dem Ergebnis allerdings nicht.

Natürlich werden vor allem die Jüngsten sich nicht allzu lange damit aufhalten, über die psychologischen Implikationen eines Films, der die Erstarrung der Verhältnisse, Gefühlskälte und die Zerstörungskraft von leidenschaftlichen Gefühlen ins Zentrum stellt, nachzusinnieren. Allerdings können etwas reifere Zuschauer durchaus die Signale aufnehmen: Die Eiskönigin durchläuft eine schmerzhafte Entwicklung, wie man sie aus Coming-of-Age-Filmen kennt. Und das Phänomen, dass man sich in Zeiten innerer Krisen und von Gefühlsverwirrungen gerne mal in sich selbst zurückzieht, hat in der Erwachsenenwelt einen einfachen Namen: Pubertät!

Die titelgebende Eiskönigin Elsa hat sich in die hinterste Bergwelt einer Eislandschaft verkrümelt, die aus der Ferne an Norwegen erinnert. Auslöser für ihre Weltflucht ist eine sentimentale Verwirrung - das Liebeswerben eines jungen Galans, der Elsa heiraten möchte. Doch sie kann ihm nicht wirklich die Königstochter-Hand reichen. Alles was Elsa anfasst, wird zu Eis. Und so hat sie - ohne es zu wollen - ihre Heimat Arendelle in ein in Kälte erstarrtes Winterreich verwandelt, das vergeblich auf den Frühling wartet.

Elsas resolute Schwester Anna will die Hoffnung jedoch nicht aufgeben: Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Elsa wiederzufinden. Dafür muss sie sich dem Kampf mit den Naturelementen stellen. Zum Glück findet sie in dem ebenso tat- wie Muskel-kräftigen Naturburschen Kristoff und dessen Rentier Sven verlässliche Begleiter. Das menschlich-tierische Trio, zu dem sich unterwegs mit Olaf ein sprechender Schneemann gesellt, zieht in den Kampf - unterstützt von Trollen und bedrängt von einem scheußlichen Eiswächter, der wie der "Steinbeißer" aus "Die unendliche Geschichte" aussieht.

Bis zur rasanten Schluss-Wendung müssen viele Schneewechten durchstapft und einige Ermüdungsphasen durchwandert werden. So richtig mitreißend wirkt das Geschehen nicht, außerdem fehlen die eindeutigen Sympathiefiguren, für die sich ein Mitfiebern (in der Eiswelt) lohnen würde. Zudem bleibt der Humor der deutschen Synchronfassung oft im Tiefschnee stecken. Einzig dem skurrilen Schneemann Olaf (deutsche Stimme: Hape Kerkeling) ist mit seinen Slapstick-Verwandlungen das Lachen der Allerjüngsten gewiss, was ihn aber nicht davor schützt, wie ein Fremdkörper im Film zu wirken.

Dramaturgische Schwächen und eine latente Lieblosigkeit in der Personenführung macht der Disney-Winterfilm - übrigens die 53. Animations-Kinoproduktion des Traditionsunternehmens - durch beeindruckende Schauwerte wett. Die Bilder der Fjord-Residenz und der Bergwelten haben viel Tiefe und glänzen mit fein herausgearbeiteten Details. Eis, Schnee und Lawinen wirken vor allem in 3D angemessen furchterregend.

Quelle: teleschau - der mediendienst