Robert De Niro

Robert De Niro





"Es würde eine Menge Zeit fressen"

Was ist das? Die Elfe und der große Schweiger? Michelle Pfeiffer und Robert De Niro sitzen in Berlin gemeinsam beim Interview zu "Malavita - The Family" (Start: 28.11.). In der Mafiakomödie standen sie erstmals zusammen vor der Kamera, im Gespräch wechseln sie die Rollen durch: Erst ist De Niro Statist, dann übernimmt Pfeiffer diesen Part und De Niro läuft sich warm. Das ist wunderbar anzusehen und gemessen an der Scheu, die der 70-Jährige in der Vergangenheit oft an den Tag legte, fast eine Ehre. Er muss nicht viel sagen, denn die Sätze sitzen. Apropos: Was hat er da eigentlich an?

Das Polohemd hat schon bessere Zeiten gesehen, ungefähr dann, als Robert De Niro im zweiten Teil des "Paten" als bester Nebendarsteller mit dem Oscar geehrt wurde, weil er den jungen Vito Corleone spielte, wie es keiner gekonnt hätte. Damals, 1974, trat er seine Karriere los, zerrte sich durch brutale Körpereinsätze in "Taxi Driver" und "Wie ein wilder Stier" und hat der Welt mit dem Beginn der 80er-Jahre klargemacht, was Method Acting ist: Er spielte bis zur Selbstaufgabe ohne Angst vorm Risiko und womöglich immer mit diesem Poloshirt, das der gebürtige New Yorker auch bei seinem Deutschlandbesuch zum Interview trug. Sein Thema: die Mafia. Präziser: der Film "Malavita - The Family", den der geschätzte Luc Besson gedreht hat.

Einen Oscar wird die Familienkomödie mit Actionelementen nicht einspielen, doch schmale goldene Statuen dürften den 70 Jahre alten Schauspieler vermutlich nicht mehr sonderlich interessieren. Die letzte, seine siebte Nominierung ist gerade mal ein paar Monate her, notiert für den liebenswerten Griesgram in "Silver Linings" mit Jennifer Lawrence und Bradley Cooper. Bei "Malavita" ist Michelle Pfeiffer seine Partnerin. Zum ersten Mal. Zwar standen sie schon gemeinsam im Abspann, doch noch nie hatten sie zusammen eine Szene vor der Kamera.

Da die sehr schlanke, fast ein wenig magere Michelle Pfeiffer mit den vermutlich vom Jet Lag und den Kontaktlinsen stark geröteten Augen weiß, neben wem sie da sitzt, hilft sie bei der Eröffnung des Gesprächs einem achtlos durch andere Menschen guckenden Robert De Niro. "Als ich dieses Skript von Luc Besson geschickt bekommen sollte, meinte ich nur: Wenn ich wieder keine Szene mit ihm habe, werde ich noch nicht mal die erste Seite aufschlagen." Ein erstes gemeinsames Lachen, während De Niro noch nicht gewillt ist, am Gespräch teilzunehmen. Drum erzählt die mittlerweile 55-Jährige Pfeiffer ohne viel Mimik noch ein wenig von der "wunderbar angelegten Beziehung zwischen den Ehepartnern", gespielt von ihr und dem Mann mit dem Poloshirt, der sich auskennt mit Mafiafilmen. Sein Portfolio der letzten Jahrzehnte beherbergt den einen oder anderen. Dieser jedoch ist der harmloseste.

De Niro als langhaariger Althippie, der, optisch äußerst junggeblieben, zusammen mit seiner vierköpfigen Familie in einem Dorf in der Normandie für Bombenstimmung sorgt. Die Familie spielt eine große Rolle in dem Film. Wie, Mr. De Niro, definieren Sie Familie? Er stutzt: "Am Ende des Tages eine wichtige Sache, auch wenn ich heute mit meinen Kindern stets im Clinch liege", sagt der sechsfache Vater mit diesem knittrigen Schmunzeln. Ein Satz, mit dem alles gesagt ist. Wer fragt, bekommt auch Antworten. Er stehe bereit, um jungen Schauspielern - auch in der eigenen Familie - Ratschläge zu geben. "Ich mach' das gern - aber es fragt mich keiner", lacht er, als verkenne der Außenstehende die Situation.

Kurz und pointiert sind seine Antworten. Und informativ. Denn er sagt, den echten De Niro, also sich selbst, habe er bei all seinen Extremleistungen "nie verloren". Und wenn er auf die Frage, ob er heute noch so weit gehen würde wie früher für seine Rollen "Ja, das würde ich" sagt, klingt das, als bestelle er drei Steaks beim Metzger - und es ist genauso ernst gemeint. Mit Eitelkeit hat das nicht viel zu tun, denn er mag sich nicht im Kino sehen, das ist bekannt. Doch: "Was ich gerne mal machen möchte: Alle meine Filme in chronologischer Reihenfolge anschauen, bis heute. Das finde ich ein sinnvolles Vorhaben. Aber es würde doch eine Menge Zeit fressen."

Alleine mit den Mafiafilmen wäre er womöglich einen ganzen Tag beschäftigt. Wenn er murmelnd darüber nachdenkt, wie oft er nun schon einen Mafiosi gespielt hat, nimmt er wie ein Schuljunge die Finger zur Hilfe, gibt relativ schnell auf und fängt zu grinsen an. Dieses faltige Grinsen, das er früher schon hatte und das jetzt ein bisschen faltiger ist als früher. "Ein paar Mal", sagt er, und schmunzelt. Elegant ausgewichen. Der Herr, der New York mehr liebt als vieles andere auf der Welt, ist ein geschickter Wagenlenker und schwört: "Es macht immer noch Spaß, wenn das Skript gut geschrieben und die Rolle detailliert ausgearbeitet ist." Da Luc Besson schon beim Lesen des Romans vor dem Verfassen des Drehbuchs an De Niro dachte, fügte sich da eins zum anderen, denn De Niro war es wiederum, der Besson vorschlug, gleich selbst Regie zu führen.

Mit platten Fragen oder Klischees braucht man ihm nicht kommen. Lustige Anekdoten über die Franzosen gibt es von ihm keine, obwohl der in der Normandie ("Wunderbare Ruhe!") gedrehte Film davon lebt. Doch der echte De Niro ist da diskreter als der raubärtige, langhaarige Mafiakerl auf der Leinwand. Auch Nachforschungen zur Vorbereitung auf die Rolle erübrigen sich. Länger als eine Rasur bedurfte es da kein Warmlaufen für einen wie ihn. Oder in seinen Worten: "Wir waren ein oder mehrmals verheiratet, daraus schöpften wir, um Familie zu spielen." Er findet zusehends Spaß an seinen Antworten und beginnt unerwartet von seinem ersten Berlinbesuch zu erzählen - getrampt ist er und im Blues Club war er. Es scheint, als wolle er nun zum gemütlichen Teil übergehen. Doch schade, er muss nun gehen. Umziehen. Raus aus den Klamotten, so kann er ja nicht auf die Straße.

Quelle: teleschau - der mediendienst