Die Tribute von Panem - Catching Fire

Die Tribute von Panem - Catching Fire





Die Spiele sind vorbei

Man solle sich an der Richtlinie von Romanautorin Suzanne Collins orientieren, riet "Time"-Kritikerin Mary Pols verunsicherten Eltern zum Kinostart von "Die Tribute von Panem - The Hunger Games" (2012): "Wenn Ihre Kinder nicht alt genug sind, um für die alljährlichen Hungerspiele ausgewählt zu werden - also mindestens zwölf - dann sollten sie den Film nicht sehen." Und wenn sie alt genug seien, dann sollten sie zuvor die Bücher lesen. "Nur von ihnen gehört zu haben reicht nicht als Vorbereitung für das, was auf der Leinwand zu sehen ist." Eine Empfehlung, die auch zum Start der Fortsetzung, "Die Tribute von Panem - Catching Fire", ihre Gültigkeit behält.

Fast zwei Dutzend Teenager starben in "Die Tribute von Panem - The Hunger Games", zumeist durch die Hand anderer Teenager. So wie in jedem Jahr in Panem seit dem großen Aufstand, als sich die Bevölkerung in den Distrikten gegen die herrschende Klasse im Kapitol erhob und nur mit Waffengewalt wieder unter Kontrolle gebracht werden konnte. Jahr für Jahr wurden seither aus jedem Distrikt ein männlicher und ein weiblicher Bewohner zwischen zwölf und 18 Jahren ausgelost, um im Rahmen eines riesigen Medienspektakels gegeneinander und gegen die Tribute der anderen Distrikte zu kämpfen. Bis nur noch einer am Leben ist.

Was für eine Sensation war es, als am Ende der 74. Hungerspiele zwei Sieger die Arena verließen: Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson), die beiden Tribute aus Distrikt zwölf, wollten lieber gemeinsam Selbstmord begehen als einander zu töten. Ein Akt der Liebe, beteuern die beiden. Ein Akt der Rebellion, vermutet Panems Diktator, Präsident Snow (Donald Sutherland). Tatsächlich wächst allen Teilen des Landes langsam Widerstand, der in der kämpferischen Katniss eine Symbolfigur wider Willen gefunden hat. Nur ihr Tod, so glaubt Präsident Snow, könne die Hoffnung auf Veränderung im Keim ersticken. Was böte dafür einen besseren Rahmen als eine Jubiläumsausgabe der Hungerspiele zum 75. Jahrestag des gescheiterten Aufstands?

Sehr, sehr reale Bluttaten so zu inszenieren, dass sie zwar gerade noch für ein jugendliches Publikum zuträglich sind, ihre Grausamkeit aber nie in Frage steht - das war eine enorme Herausforderung, die Regisseur Gary Ross in "Die Tribute von Panem - The Hunger Games" meisterlich bewältigte. Sein Nachfolger Francis Lawrence erzählt die Geschichte nun genau so, auf die einzig richtige Weise, weiter: mit demselben Ernst und derselben Nüchternheit, die so ungewöhnlich ist für eine Produktion dieser Größenordnung. Nichts wird heruntergespielt, nichts überhöht, weder in der Bildsprache noch in der musikalischen Gestaltung.

In Vorbereitung auf das zweiteilige Finale "Die Tribute von Panem - Mocking Jay", das derzeit ebenfalls unter seiner Regie entsteht, beginnt Francis Lawrence den unbeschönigenden Blick auf die Realität Panems außerhalb der Kampfarena zu richten. Auf die Welt, in der solch' menschenverachtende Spektakel wie die brutalen Hungerspiele überhaupt möglich sind. Eine Welt, in der einige wenige im Überfluss leben, während viele andere hungern; in der Diktatoren geringsten Widerstand drakonisch bestrafen. Eine Welt, die erschreckenderweise gar nicht so viel anders aussieht als die, die man an manchen Tagen in den Nachrichten sieht.

Quelle: teleschau - der mediendienst