Malavita - The Family

Malavita - The Family





Willkommen bei den Mafiosi

Eine Mafiakomödie ist ein Wagnis, wenn nicht fast ein Widerspruch in sich. Obwohl: Hat nicht Robert De Niro zusammen mit Billy Crystal in "Reine Nervensache" eine ziemlich amüsante Parodie geliefert? Richtig. Jetzt schlägt Robert De Niro an der Seite von Michelle Pfeiffer auf demselben Gebiet ein weiteres Mal zu. "Malavita - The Family" soll nun wirklich eine Komödie für die ganze Familie sein. Zur Verwirrung trägt der Name des Regisseurs bei: Das ist nämlich der große Luc Besson, bei dem mancher sofort und immer noch an "Léon - Der Profi" denkt.

Doch "Malavita" hat trotz der großen Namen, zu denen sich Tommy Lee Jones in viel zu wenigen Kurzauftritten sowie Martin Scorsese als ausführender Produzent gesellen, einen ganz anderen Ansatz. Die Komödie will in erster und einziger Linie im Hollywood-Allzweckstil unterhalten. Fast unverschämt ignoriert sie das glänzende Personal, das sie zur Verfügung gestellt bekam. Doch wen soll man beschimpfen? Luc Besson, der beim Lesen des Romans von Tonino Benacquista sofort an Robert De Niro denken musste?

Besson schrieb das Drehbuch über einen ehemaligen Mafiosi, der mit seiner Familie im Zeugenschutzprogramm lebt, nachdem er vor Gericht gegen seine alten Freunde ausgesagt hat. De Niro schließlich war es, der Besson vorschlug, doch die Regie zu übernehmen und nicht weiter nach einem geeigneten Filmemacher zu suchen. So weit, so vernünftig. Und auch der Vorlagengeber schreibt keine Groschenromane, sondern war unter anderem für den kongenial verfilmten Roman "Der wilde Schlag meines Herzens" verantwortlich. Trotzdem fühlt sich "Malavita" an wie eine Mogelpackung.

So wird der zur Eskalation neigende Ex-Gangsterboss mit dem neu ausgedachten Namen Fred Blake mal wieder an einen neuen Ort gebracht. In den USA und in Paris hat die Familie schon diverse Erfahrungen gemacht, daher finden sie sich jetzt in einem sehr kleinen Dorf in der Normandie wieder, in dem die Amerikaner misstrauisch beäugt werden. Mutter (Michelle Pfeiffer), Tochter Belle ("Glee"-Sternchen Dianna Agron) und Sohn Warren (John D'Leo) versuchen sich jeder auf seine Art zurechtzufinden und fackeln bei Schwierigkeiten nicht lange, beispielsweise den Laden des unfreundlichen Verkäufers notfalls in die Luft zu sprengen. Slapstick pflastert ihren Weg.

Daddy liegt derweil im Dauer-Clinch mit FBI-Agent Stansfield (im Vorbeigehen gespielt von Tommy Lee Jones). Diese unterschiedlichen Erzählstränge genügen nicht, natürlich wird die Mafiafamilie in New York auf die Erzfeinde aufmerksam und schwärmt aus. Wenn sie den Bahnhof des verschlafenen Dorfes erreicht, verbrät Besson alles Geld, was ihm die Gagen gelassen haben, restlos.

Vielleicht muss man sich eingestehen, dass seine großen Filme "Leon - Der Profi", "Nikita", "Im Rausch der Tiefe" oder "Das 5. Element" rund 20 Jahre her sind. Vielleicht war "Malavita" einfach so teuer, dass die Produktion keine Handschrift vertrug, sondern mit größtmöglicher Harmlosigkeit eine maximale Zielgruppe erreichen sollte. Jedenfalls bietet die Mischung aus "Willkommen bei den Sch'tis" und einem kindertauglichen Actionfilm mehr Masse denn Klasse. Da wird alles reingepackt, was geht, Dianna Agron bekommt in jeder Szene eine neue Frisur verpasst, und bei der Musik wird immer überdosiert. Die wenigen guten Szenen, wie eine Liebesszene von De Niro und Pfeiffer, gehen da unter. Kaum zu glauben, dass man sich trotz all der viel versprechenden Namen so wenig amüsiert hat.

Quelle: teleschau - der mediendienst