Ottfried Fischer

Ottfried Fischer





Alle unter einen Hut gebracht

Selten hat wohl jemand einen runden Geburtstag so öffentlich vorgefeiert wie Ottfried Fischer den seinen 60. am 7. November. Es gab Ausstellungen über sein Leben im Hof des Münchner Isartors und in Ottis Heimatort Ornatsöd, Bilder aus allen Lebensepochen und Texte vom Feinsten, die Fischers Biografie "Das Leben - Ein Skandal" entstammen. In Bad Tölz haben sie ihm zu Ehren einen Brunnen eingeweiht, es gab den Deutschen Fernsehpreis fürs Lebenswerk mit der so grandiosen wie kurzzeitig schockierenden Ranitzky-Parodie: "Ich nehme diesen Preis nicht an!" - Eine Pointe bloß, wie so viele in Fischers Kabarettisten- und Schauspielerleben. Eigentlich hatte er Rechtsanwalt werden sollen, der Vater war lange nicht mit der Bühnenkarriere einverstanden. 1976 gründete er das Münchner Hinterhoftheater, danach kamen die ersten Soloauftritte, 1985 die Kultserie "Irgendwie und Sowieso" (als "Sir Quickly"), und dann, ab 1995, der Riesenerfolg mit dem "Bullen von Tölz", als Benno Berghammer, der Tölzer Kommissar, der immer noch bei der "Mama" lebt.

Man hatte zuletzt Besorgniserregendes gehört und gelesen, über Fischers Parkinson-Krankheit und die ihn sporadisch befallende Müdigkeit. Umso schöner, Fischer dann bei einer vorgezogenen Ehrung im Münchner Polizeipräsidium so munter und gelöst zu sehen. Otti in Hochform und mit dem für ihn typischen Esprit begabt wie eh und je. Man zeigte die Serie "Der Bulle von Tölz", die Ottfried Fischer weit über Bayerns Grenzen hinaus berühmt gemacht hat als Bayern-Columbo - in 69 Episoden, 16 Jahre lang. Ein halsstarriger Schweinsbratenliebhaber, dem kein Täter entgehen kann.

Alle warten gespannt auf Otti, den voluminösen "Bullen von Tölz". Wie ist er drauf? Sehr gut an diesem Tag, Fischer strotzt vor Energie. Mal posiert er vor einem Bullen aus Pappmachée, mal quetscht er sich in einen Polizei-Mini aus der Erfolgsserie bei SAT.1. Oder er macht gar spontan "die Kelle-Family", indem er die Polizeikelle schwenkt. Er kann immer noch herrlich spontan sein, die Kalauer kommen aus dem Bauch. Aber er ist eben auch mit viel Selbstironie gesegnet - hierzulande immer noch eine Seltenheit. An diesem Tag schneidet er gar Grimassen aller Art, vom Glöckner bis zum schwer bebrillten, beknackten Intellektuellen im Jerry-Lewis-Stil.

Er ist wie eh und je um kein Statement verlegen. Es sei "eine gute Idee den 'Bullen von Tölz' mal wieder zu zeigen", sagt er über die Wiederholungen auf dem "Heimatkanal". Man habe damals mit der Serie "die Quadratur des Kreises geschafft und alle unter einen Hut gebracht: arm und reich, g'scheit und blöd, Mann und Frau". Da tönt er schon fast wie der "Pfarrer Braun", sein ARD-Kriminalist in der Soutane, die ihm zehn Jahre wie angegossen saß. Pathos kann er auch.

An diesem Abend legt er dann noch einen improvisierten (Anti-) Heimatabend hin, im Zusammenspiel mit der Blechband "Die Heimatlosen", mit der er öfter auftritt - eine Parodie auf preußische Bayern und auf Bayern, die längst preußisch geworden sind. Es gibt Reflexionen über das allseits gebrauchte Modewort "lecker": "In Bayern gibt's nur a 'legga', und des is Orschlegga!", über schwule Goaslschnaizer mit damenhaftem Peitschenknall. Wichtig aber: "Und überall liegt Blasmusik in der Luft." Die Heimat gibt es eben immer noch.

Ottfried Fischer kann gemütlich und zugleich bitterböse und gallig sein. "Den Parkinson", sagt er, "habe ich als ständigen Begleiter immer dabei". Sein Rezept: "Einfach ignorieren. Aber manchmal wär's schon schön, wenn er zu Hause bliebe." - Die Krankheit hat er 2006 öffentlich gemacht, parallel zu verschiedenen privaten Krisen und Stürzen. Inzwischen hat er nach 17 Jahren mit der beliebten Kabarettreihe "Ottis Schlachthof" (BR) aufgehört, der letzte "Pfarrer Braun" ist abgedreht. "Aus is', gar is', schad dass wahr is'!", hat er nach dem letzten "Schlachthof" resümiert.

Doch es geht weiter: "Wandogo" heißt Fischers neues Programm mit den "Heimatlosen", mit dem er am 13. November in der Wiener Volksoper Premiere hat. Zum 60. wünscht man ihm noch viel Energie, dem Schwabinger Bauernsohn und Klosterschüler aus Ornatsöd ("Wo nix waxt und nix steht"), dem Niederbayern mit dem feinen Humor, der seinem Publikum auch nach Jahrzehnten noch sehr viel Freude macht.

Quelle: teleschau - der mediendienst