Um jeden Preis

Um jeden Preis





Expandiere oder stirb!

Großfarmer Henry Whipple versucht im britischen Drama "Um jeden Preis" zu expandieren - und Regisseur Ramin Bahrani versucht das mit seinem Film gewissermaßen auch. Nachdem er mit "Man Push Cart" und "Goodbye Solo" bei den Festivals gefeiert wurde, will der iranische Independentfilmer mit seinem starbesetzten Spielfilm nun im Mainstream-Kino Fuß fassen. Farmer Whipple zahlt am Ende einen allzu hohen Preis für seine Anpassungsbestrebungen. Und auch Bahrani gelingt es diesmal nicht, sich mit seinem im Kern wieder sozialkritischen Film selbst treu zu bleiben.

Bereits zu Beginn seines Dramas lässt Bahrani den recht gut situierten Großfarmer Whipple (Dennis Quaid) aus Iowa mit dem verzweifelt-optimistischen Dauergrinsen äußerst unsympathisch dastehen: Whipple fährt mit seinem widerstrebenden jüngeren Sohn Dean (Zac Efron) zu der Beerdigung eines Bekannten und versucht noch am offenen Grab, den Trauernden das geerbte Land abzuluchsen. Blanke Verachtung schlägt den beiden entgegen, doch am Ende sagen die verzweifelten Hinterbliebenen zu.

Kein Wunder, dass die beiden Söhne nichts von diesem skrupellosen Vater wissen wollen: Der älteste Sohn schickt ab und an eine belanglose Postkarte aus einem entlegenen Teil der Welt, der jüngste, Dean, träumt von einer Karriere als Rennfahrer. Doch das sind bei weitem nicht Whipples einzige Probleme: Soeben hat der Mann, dem es offensichtlich schon lange nicht mehr viel ausmacht, die Kleinbauern in seiner Gegend zu ruinieren, einen wichtigen Kunden an seinen ärgsten Konkurrenten verloren. Kurz darauf lässt der böse Großkonzern Liberty, der den Farmern turbokapitalistische Handschellen anlegt, auch noch Nachforschungen anstellen, ob Henry etwa das gentechnisch optimierte Saatgut wiederverwendet hat - was natürlich verboten ist.

Der Vater, Ehemann und Geschäftsmann Henry Whipple erinnert ein wenig an Willy Loman aus "Der Tod eines Handlungsreisenden". Der moderne Businessman darf sich, um im knallharten Maisgeschäft zu überleben, keinen Idealismus erlauben und ist bereits - recht stereotyp - soweit von sich selbst und seiner Familie entfremdet, dass es zwar bitter, aber auch nicht gerade spannend ist, ihm dabei zuzuschauen.

Denn während es Arthur Miller einst in seiner Tragödie verstand, Sympathie für den Handlungsreisenden Willy Loman zu wecken, können Bahrani und seine Co-Autorin Hallie Elizabeth Newton in ihrem Drehbuch nicht begründen, warum man Verständnis für das von ihnen vorgestellte Opfer moderner Geschäftspraktiken haben sollte. So lässt das haarsträubende Schicksal der Whippleschen Familie, die im Bestreben, ein überholtes amerikanisches (Familien-)ideal aufrechtzuerhalten, sogar über Leichen geht, letztlich kalt. Der amerikanische Traum frisst seine Kinder - diese traurige Erkenntnis ist so neu nun wieder auch nicht. Aber man hat wirklich keine Lust, dabei zuzuschauen, wie sich auch noch das amerikanische Hollywood-Kino vielversprechende Indie-Regisseure einverleibt.

Quelle: teleschau - der mediendienst