Jonas Holdenrieder

Jonas Holdenrieder





Große Schritte eines kleinen Mannes

Der Bayerische Hof in München ist natürlich schon eine Marke für sich. Hier steigen für gewöhnlich Staatsgäste ab, Prominente von Weltrang. In der Lobby, in der das Interview stattfinden soll, wurde auch schon der ein oder andere aus namhafte Künstler interviewt. Doch heute sitzt hier kein Weltstar, auch hierzulande ist das junge Gesicht noch recht unbekannt. Jonas Holdenrieder hat die Hände ineinander verschlossen und zeigt mit einem Lächeln, dass er bereit für die Journalistenfragen ist. Es ist erst das zweite Mal, sagt der geborene Münchner, dass er so befragt wird: "Am Set hatte ich mein erstes Interview, aber nur ganz kurz." Der 13-Jährige spricht von den Dreharbeiten zu "Das kleine Gespenst". Jonas Holdenrieder spielt dort die Hauptrolle, den Grundschüler Karl. Auch in der Schulkomödie "Fack ju Göhte" ist er zu sehen - zwar nur kurz, aber doch recht prominent platziert. Beide Filme starten am 7. November in den Kinos.

Die nächsten Wochen werden sicherlich aufregend für Jonas Holdenrieder. Zwei Filme gleichzeitig im Kino zu haben, das ist schon etwas Besonderes. Doch prahlen mag er beileibe nicht mit seiner bald wohl deutlich ansteigende Bekanntheit: "Ich spreche nicht so viel darüber", meint er, "auf der Straße werde ich nicht erkannt."

Jonas bemüht sich um ein normales Leben, daheim, in der Nähe von München, mit großer Schwester und Hund. In der Schule sei auch alles normal. Ein Großteil der Dreharbeiten fanden bisher immer in den Ferien statt. War er zu Schulzeiten unterwegs, halfen seine Mitschüler aus: "Meine Freunde schicken mir dann alles Wichtige per E-Mail", sagt der Realschüler. Für die Schauspielerei erfahre er von allen Seiten Unterstützung: "Die Lehrer sind da gelassen, bevorzugt werde ich aber auch nicht", stellt Jonas klar.

Seine kurze Szene in "Fack ju Göhte" mit Elyas M'Barek und Karoline Herfurth war schnell im Kasten, für die Verfilmung des Kinderbuchklassikers "Das kleine Gespenst" von Otfried Preußler drehte Jonas ganze 29 Tage auf Schloss Wernigerode, in Quedlinburg und in München: "Es war schon schön mit all den anderen im Hotel und unterwegs. Aber wenn man jeden Abend wieder nach Hause kann, hat auch etwas für sich", erzählt der Jungschauspieler von den Dreharbeiten. Stets dabei, seine Mutter: "Sie ist immer da, wenn ich sie mal brauche", verrät er. "Sie hält sich aber immer im Hintergrund und lässt mich machen."

Trotz der Hauptrolle in "Das kleine Gespenst" als Grundschüler Karl, der von Geistern schwärmt, sieht Jonas die Schauspielerei (noch) nicht als Beruf: "Nein, Berufe sind was für Erwachsene", meint er, "bisher ist alles noch ein großer Spaß." Die Gagen werden angelegt, nur selten darf Jonas darauf zurückgreifen. Zum Beispiel für eines seiner anderen Hobbys. Seit sieben Jahren spielt der Bayer Schlagzeug, seit drei Jahren zudem Marimbaphon, eine Xylophon-Art: "Ich war bei einem Konzert von Martin Grubinger, der ist der Hammer", schwärmt der begeisterte Musiker, "dann wollte ich das auch unbedingt lernen." Mittlerweile habe er ein beachtliches, teilweise selbstfinanziertes Percussionset zuhause und eifert dem Weltklasse-Multi-Percussionisten Grubinger nach. Erfolgreich ist Jonas auch: Beim bayerischen "Jugend musiziert"-Wettbewerb gewann er bereits zweimal den Regionalwettbewerb, beim Landesentscheid wurde er 2012 Zweiter.

Der Wunsch, Schauspieler zu werden, erwachte in Jonas Holdenrieder, als er das Making Of des Films "Vorstadtkrokodile" anschaute: "Da sah man die Kameraarbeit und wie die Schauspieler damit umgehen", erinnert er sich, "das wollte ich dann auch unbedingt mal ausprobieren." Doch vor dem ersten Werbeclip und einer anschließenden Rolle in einem TV-Film musste der Rotschopf bei seinen Eltern zu Kreuze kriechen: "Ein ganzes Jahr habe ich sie überreden müssen, ich habe immer wieder nachgefragt und nicht aufgegeben", berichtet Jonas. "Genauso wie damals, als ich das Schlagzeugspielen anfangen wollte." Seine Ausdauer zahlte sich aus.

Quelle: teleschau - der mediendienst