Tom Hiddleston, Chris Hemsworth

Tom Hiddleston, Chris Hemsworth





Ziemlich beste Feinde

Der Donnergott ist zurück: In "Thor: The Dark Kingdom" (Start: 31.10.) kämpft der Titelheld wieder einmal mit seinem Hammer für den Erhalt der Erde. Unterstützt wird er von seinem Bruder Loki, doch das Band zwischen den beiden ist bestenfalls brüchig zu nennen. Streit, Kampf und Verrat bestimmen auch im dritten gemeinsamen Film ihr Verhältnis. Dieser Bruderzwist könnte von der Realität kaum weiter entfernt sein: Zum Interview erscheinen die Darsteller Chris Hemsworth (Thor) und Tom Hiddleston (Loki) in einträchtiger Zweisamkeit. Und auch während des Gesprächs wird klar: Die beiden Schauspieler sind Brüder nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Geiste.

Dass eine Heldenrolle zum Durchbruch in Hollywood taugt, ist keine Seltenheit. Bei einem Schurken ist das schon etwas ungewöhnlicher. Tom Hiddleston jedoch ist mit seinem Loki genau das gelungen. Seine Performance in "Thor", "Avengers" und nun "Thor: The Dark Kingdom" wird von Kritikern gelobt und von Fans geliebt: Kürzlich erst ließ er sich auf der San Diego Comic Con von Tausenden Anhängern feiern wie ein Rockstar. Nach "Thor" stand er für Steven Spielbergs "Gefährten" (2011) und für Jim Jarmuschs "Only Lovers Left Alive" (2013) vor der Kamera, im Winter steht er im Londoner West End mit der Titelrolle in Shakespeares "Coriolanus" auf der Bühne. Und doch: Auf die Frage, was denn der größte Gewinn aus den drei Filmen sei, die ihm den Durchbruch brachten, antwortet Hiddleston ohne zu zögern: "Die Arbeit mit Chris. Es macht so viel Spaß, das alles mit ihm zu tun, und wir haben eine so vertrauensvolle Beziehung - ich kann mir gar nicht vorstellen, diese Filme ohne ihn zu drehen."

Kollege Hemsworth, der zurzeit nicht nur als Thor, sondern auch als Rennfahrer James Hunt in "Rush" auf deutschen Kinoleinwänden zu sehen ist, gibt das Kompliment strahlend zurück und erklärt den Ursprung ihrer Beziehung am Set von "Thor": "Wir waren am gleichen Punkt unserer Karrieren, als wir ans Set kamen. Wir fingen gerade erst an, versuchten, da irgendwie reinzukommen. Wir waren also beide gleich eingeschüchtert, aber auch gleich begeistert über diese Chance. Wir haben uns sofort verstanden, wir haben die gleichen Interessen und die gleiche Faszination für Filme - und wir haben Spaß daran, sie zu machen."

Was ihre Rollen als konkurrierende Geschwister angeht, hatte Hemsworth schon reale Vorbilder: Er wuchs mit zwei ebenfalls schauspielernden Brüdern auf (Liam war zuletzt in "Die Tribute von Panem" zu sehen, Luke bisher vor allem im australischen TV) - allerdings, so betont er, gebe es keine Konkurrenz in Sachen Beruf. "Wir unterstützen uns gegenseitig. Aber bei allem anderen waren wir schon immer sehr kämpferisch, egal ob es um Cricket, Football oder Surfen ging - oder auch nur darum, wer die Fernbedienung bekommt, das war immer eine Herausforderung."

Hiddleston dagegen wuchs mit zwei Schwestern auf. "Das ist etwas ganz anderes", sagt er. "Ich habe meine Schwestern geärgert, klar, vor allem auf langen Autofahrten. Aber wir haben nie gekämpft. Mein Vater hat das nicht erlaubt, er sagte 'Schlag nie deine Schwestern, Tom. Geh und verhau deine Kumpels, aber schlag nicht deine Schwestern.'" Seine Schulzeit im Internat brachte ihm immerhin eine neue Perspektive: "Im Internat ist man auf sich gestellt. Aber die Freunde, die ich dort gefunden habe, als wir alle kleine Jungs waren, die sind so eine Art Brüder geworden. Ich verstehe diese Verbindung, bei der man eine spielerische Rivalität pflegt, sich aber auch gegenseitig verteidigt."

Das führt er auch gleich im Interview vor. Wann immer der Hüne Hemsworth ins Stocken gerät, sei es bei der Aufzählung der neun Welten in der nordischen Mythologie oder bei der optischen Bewertung seiner Aufmachung mit Cape und langen Haaren, springt der eher schmale Hiddleston für ihn ein. Die Welten bekommt er zwar auch nicht alle zusammen, aber was den Aufzug mit langen Haaren, Bart und Cape angeht, den Hemsworth "ein bisschen albern" nennt, hat er eine klare Meinung: "Alle nordischen Götter hatten langes Haar und Bärte. Das galt als Zeichen von Stärke. Chris sieht großartig aus!". Hemsworth revanchiert sich mit reichlich Lob: "Was Tom mit Loki gemeinsam hat, ist die große Intelligenz, sein Witz und sein Tempo. Und eine große Bereitschaft dazu, Spaß zu haben. Als wir in Island gedreht haben, um fünf Uhr morgens auf einem einsamen Berg, und uns die Hintern abgefroren haben, hat Tom immer noch gelacht und die Stimmung hochgehalten."

Die Stimmung zwischen den beiden blieb ganz offensichtlich auch nach Abschluss der Dreharbeiten hervorragend: "Ich hatte nie einen Bruder", sagt Hiddleston mit Blick auf Hemsworth, dem er vor der Kamera schon mehrfach den Garaus machen wollte. "Aber jetzt hoffe ich, dass ich einen habe." Der bestätigt energisch: "Den hat er! Wir haben ihn adoptiert. Er ist jetzt ein Hemsworth."

Quelle: teleschau - der mediendienst