Jackpot - Vier Nieten landen einen Treffer

Jackpot - Vier Nieten landen einen Treffer





Für einen bleibt mehr übrig

Vier Arbeitskollegen, davon drei Ex-Knackis, gründen eine Toto-Gemeinschaft und räumen ab. Doch das räuberische Gemüt will nicht teilen, und so folgt ein Gemetzel unter den vermeintlichen Freunden, das man nur wenigen Hollywood-Regisseuren abnehmen würde - und eben Skandinaviern. Die schwarzhumorigen Nordeuropäer dürfen Köpfe abhacken, Kadaver in eine Häckselmaschine stemmen und wild um sich schießen. Genau das passiert nämlich in der norwegischen Krimi-Komödie "Jackpot - Vier Nieten landen einen Treffer". Doch leider fehlt dem Film, dessen Story vom gefeierten Krimiautor Jo Nesbø stammt, während des durchaus amüsanten Gemetzels die nötige Coolness.

Alles was Oscar (Kyrre Hellum) Kommissar Solør (Henrik Mestad) da offenlegt hört sich ebenso unvorstellbar wie letztlich plausibel an. Er als unauffälliger, seriöser Vorarbeiter in einer Plastik-Weihnachtsbaum-Produktion sei ja wohl der einzige Glaubwürdige bei all den ehemaligen Gefängnisinsassen, die er sonst Tag für Tag anleitet. Gezwungen habe man ihn mitzumachen beim Fußball-Toto, eingeschüchtert von den Verbrechern konnte er nicht anders. Und als dann auf einmal der Gewinn feststand, 1.739.361 Norwegische Kronen, ging das Gemetzel los. Ist ja kaum durch vier zu teilen, ein solcher Betrag - bei Personen tut man sich da schon leichter.

Doch die Faktenlage für den furztrockenen Solør sieht erst einmal anders aus: Während die Polizei gerade die acht Leichen zählte, fanden sie Oscar unter einer stämmigen, toten Prostituierten auf, in der Hand eine Schrotflinte. Tatort ist ein schwedisches Etablissement an der Grenze zu Norwegen. Blutverschmiert war aber nur einer von Oscars Tipp-Genossen unter den Toten auszumachen. Die anderen zwei wurden schon vorher zur Strecke gebracht und entsorgt. Hört sich nach einem klaren Fall an. Doch "Last Man Standing"-Oscar windet sich mit seiner Story geschickt oder tatsächlich unschuldig immer weiter aus dem Fadenkreuz der Ermittlungen.

Die Geschichte wird als Zeugenaussage vom Vernehmungszimmer aus erzählt und wechselt zwischen Oscars Version des Passierten und den Fragen des harten Hundes Solør hin und her. So tut sich Regisseur Magnus Martens natürlich leichter, im Film möglichst viele Wendungen einzubauen und seiner wohl skurrilsten Figur, dem Kommissar, genügend Platz zu verleihen.

Nach und nach kommen immer weitere amüsante wie makabere Details ans Licht. Doch Martens, der die Jo-Nesbø-Geschichte auch in ein Drehbuch umwandelte, bringt zu viele Albernheiten ins Spiel. Er verfehlt das optimale Mischverhältnis von amüsanter Räuberpistole und Studie kruder Charaktere, das Guy Ritchie ("Snatch") einst perfektionierte. Im Gegenteil, Martens Gangster-Figuren sind zum größten Teil völlig dümmlich gezeichnet. Dadurch lässt "Jackpot - Vier Nieten landen einen Treffer" die für einen derart blutigen Film nötige und von Skandinaviern sonst so gewohnte Coolness vermissen. Am Ende bleibt eine unterhaltsame, doch alberne Komödie, bei der auch der viel zu abrupte Kniff am Ende nicht mehr begeistern mag.

Quelle: teleschau - der mediendienst