Eltern

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Beruf oder Karriere

Ganz am Schluss fällt ein wichtiger Satz: "Ich bin Dir dankbar, dass Du mich überredet hast." Nach zehn Jahren mit Kindern fragt man sich nämlich manchmal, ob alles richtig war. Vor allem, wenn man wie Konrad (Charly Hübner) und Christine (Christiane Paul) eine Woche hinter sich hat, in der es alles andere als einfach war, "Eltern" zu sein. Das ist nun mal, wie Robert Thalheim ("Am Ende kommen Touristen") in seinem neuen Film zeigt, eine Herkulesaufgabe.

"Eltern", das sollte man wissen, ist ein Berlin-Film, genauer ein "Prenzlauer Berg"-Film. Hier stehen hippe, liberale, weltoffene Großstadtmenschen im Mittelpunkt, die sich keine existenziellen Sorgen machen müssen. Christine und Konrad gehören zur bildungsbürgerlichen oberen Mittelschicht, haben kreative und/oder ordentlich bezahlte Jobs und den Luxus, sich mit Fragen der Selbstverwirklichung beschäftigen zu können.

Papa war jahrelang der beste und machte zu Hause Faxen mit den Mädchen Käthe (Paraschiva Dragus) und Emma (Emilia Pieske). Er hatte den Beruf aufgegeben, jetzt will der Regisseur aber zurück ans Theater, den "Ring der Nibelungen" inszenieren. Es ist seine letzte Chance, wieder in den Beruf zu kommen. Ein Au-Pair-Mädchen, Isabel (Clara Lago), soll helfen, denn auch Christine arbeitet: Die Ärztin hofft auf eine Beförderung auf ihrer Station im Krankenhaus.

Dass die klassischen Rollen vertauscht sind, ist nur ein Detail in diesem wahrhaftige Porträt einer modernen Elterngeneration. Eine Woche lang begleitet Robert Thalheim eine ganz normale Familie: beim Kindergeburtstag, beim Hamsterbegräbnis, bei gebrochenen Versprechen und nicht erfüllten Erwartungen. Jeder Tag ist harte Arbeit. Familie, Beruf und eigene Wünsche unter einen Hut zu bekommen, ist schwieriger, als einen Kreis zu quadrieren. Vor allem, wenn man sich an veränderte Rollen gewöhnen muss.

So wie Christine, die sich im Laufe der Jahre von den Kindern entfremdet hat. Weil Konrad eine komplette Familienauszeit nimmt, muss sie plötzlich wieder Mutter sein. Daran kann sie sich genauso schwer gewöhnen, wie Käthe und Emma, die völlig überfordert sind. Sie alle werden immer unzufriedener, können nur schwer akzeptieren, dass sich ihre Situation verändert hat.

Am Ende aber müssen sie sich neu arrangieren: Thalheim erzählt davon aus seinen facettenreichen Figuren heraus und trifft bei der präzisen Schilderung des Familienalltags einen unverschämt lässigen Ton. Man wird Teil dieser Familie, die in dieser einen Woche zwischen Träumen und Entfremdung, zwischen Hoffnung und Frust, zwischen Trotz und Liebe irgendwie alles erlebt. Wie es mit ihnen weitergeht, bleibt allerdings vage.

Quelle: teleschau - der mediendienst