Escape Plan

Escape Plan





Sly und Arnie tun es schon wieder

Mit dem Ausbrecherkönig, den er in Mikael Håfströms Gefängnisfilm "Escape Plan" spielt, dürfte Sylvester Stallone eine Sache ganz sicher gemeinsam haben: Auch bei ihm hat man das Gefühl, ein Ruhestand wäre der absurdeste Vorschlag, den man dem altgedienten Action-Helden unterbreiten könnte. Aus demselben knorrigen Holz ist Arnold Schwarzenegger geschnitzt: Der Ex-Gouverneur von Kalifornien spielt sich in der Männer-Muskel-Parade mal wieder mehr oder weniger selbst. Augenzwinkern hilft, viel Spaß aus dem Kumpeltreffen zu ziehen.

Es ist ein Film, der sich nicht lange mit Erklärungen aufhält, sondern rasch zur Sache kommt - zum Gekloppe, Gestöhne, zum Schwitzen und Zähne-Zusammenbeißen. Eigentlich hat Ray Breslin (Stallone) schon längst bewiesen, dass er der Beste seiner eigenwilligen Zunft ist: Er lässt sich "undercover", also getarnt als angeblicher Schwerverbrecher, in den Hochsicherheitsknasts der USA einsperren. Dort nutzt er die Zellen-Einsamkeit, um in Windeseile die Abläufe zu analysieren, aus ein wenig Spucke und Lebensmittelresten wichtige Ausbruchshilfen zu basteln und schon bald als dreister Selbstbefreiungskünstler vom Hof zu stapfen.

Doch dann lockt der eine geheimnisvolle Auftrag, den er vielleicht doch lieber hätte ablehnen sollen: Angeheuert von einer undurchsichtigen Geheimdienstmitarbeiterin und angelockt vom ganz großen Geld, willigt Breslin ein, im Selbstversuch eines dieser Gefängnisse zu testen, vor denen man sich fürchten muss. Ihr einziger Zweck ist es, Menschen auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen. Guantanamo, man hört dir trapsen.

Nicht wirklich überraschend: Diesmal scheint sich Breslin komplett verzockt zu haben. Sein Auftrag gerät absolut aus dem Ruder. Er wird brutal entführt und bei Nacht und Nebel verschleppt. Für sein zunehmend panisch reagierendes Betreuungsteam, eingeweihte Helfer seiner Sicherheitsagentur, verschwindet er von einer Sekunde zur nächsten vom Radar. Jetzt ist der Mann mit den "MacGyver"-Fähigkeiten und dem stoischen Gesichtsausdruck ganz auf sich alleine gestellt.

Schnell gerät er in dem bizarr gestalteten Höllen-Gefängnis, in dem die bedauernswerten Insassen in gläsernen Kuben eingepfercht sind, mit dem sadistischen Anstaltsleiter Hobbes (James Caviezel) aneinander. Einziger Trost: In dem deutschstämmigen Haudrauf-Insassen Emil Rottmayer (Schwarzenegger), dessen schnarrender Akzent ebenso gefährlich wirkt wie sein gewaltbereites Auftreten, findet Breslin nach und nach eine Art Verbündeten. Beide ahnen, dass sie einander noch gut brauchen können. Und der Schlüssel zum Ausbruch aus ihrer verzweifelten Lage könnte eine Inhaftierung in den gefürchteten Isolierzellen sein.

Allein schon das allmähliche Aneinandergewöhnen der beiden harten Senioren-Knackis ist für Sly- und Arnie-Fans ein kleines Fest. Wie so oft führt der Weg zur wahren Männerfreundschaft zunächst einmal über handfeste Abreibungen. "Du schlägst zu wie ein Vegetarier", provoziert Rottmayer seinen Gegner. Der verrät nach und nach, wer er wirklich ist - ein Ausbruchsexperte. "So clever siehst du gar nicht aus", blafft ihn der Deutsche an. "Du aber auch nicht", gibt Breslin lakonisch zurück.

Natürlich ist der Humor der einzige Weg, einen ansonsten eher altbacken und überraschungsarm gestrickten Actionstoff erträglich zu machen. Im Gegensatz zu den beiden Freiheitsstrebenden, die sich über fast zwei Stunden einen Fluchtweg freiprügeln müssen, sollte man als Zuschauer nicht allzu angestrengt über tiefere Bedeutungen und angebliche Geheimnisse nachgrübeln. Das würde das rustikale Vergnügen nur belasten. Schnell ist man sich allerdings sicher: Die Chemie zwischen den Alt-Hauddegen funktioniert so gut, dass nach den beiden "The Expandables"-Auftritten und dieser Gala-Nummer schon bald mit einer Fortsetzung der Arnie-Sly-Show zu rechnen sein müsste. Es wäre keine wirkliche Überraschung. Aber neuer Anlass zum Schmunzeln.

Quelle: teleschau - der mediendienst