Don Jon

Don Jon





Charmanter Schmierlappen

Den kenn' ich doch Die ganz große Rolle fehlte bisher, doch Joseph Gordon-Levitt konnte man beim Aufwachsen in Hollywood zusehen: Nach einigen Auftritten als Kinderstar war er 1999 der harmlose High-School-Freund in "10 Dinge, die ich an dir hasse", zehn Jahre später der glücklos Verliebte in "(500) Days of Summer". Zuletzt gab er sich in "Inception" (2010), "The Dark Knight Rises" und "Looper" (2012) etwas härter. Jetzt wagt er mit 32 Jahren den nächsten Schritt: hinter die Kamera. Für seine persönliche Reifeprüfung inszenierte Gordon-Levitt passenderweise eine Coming-of-Age-Geschichte - über einen Pornosüchtigen. Sein "Don Jon", in dem er auch die Titelrolle spielt, ist zwar nicht ganz jugendfrei, dafür aber amüsant.

Jon ist ein Schmierlappen erster Güte: Zwar besucht er regelmäßig seine Eltern, hält seine Wohnung sauber und geht sogar einmal die Woche zur Beichte. Aber noch regelmäßiger als seine Eltern besucht er Clubs. Die Mädchen, die er dort abschleppt, behandelt er lange nicht so pfleglich wie seine Wohnung. Und die Ave Marias, die ihm sein Pfarrer dafür als Buße auferlegt, betet er locker im Fitnessstudio zwischen seinen Klimmzügen ab.

Die Mädels weinen ihm hinterher, die Kerle bewundern ihn. Was sie alle nicht wissen: Der regelmäßige Beischlaf befriedigt den Schürzenjäger keineswegs, richtig glücklich wird er nur beim Pornoschauen. Sein Leben ändert sich jedoch, als er die superheiße Barbara (Scarlett Johansson) kennenlernt. Sie ist die Erste, die sich nicht von ihm den Kopf verdrehen lässt, sondern ihn um den Finger wickelt.

Barbara hat sehr bestimmte Vorstellungen davon, wie das perfekte Date aussieht - und der perfekte Mann dazu. Also bringt sie Jon zuerst dazu, dem Porno abzuschwören und stattdessen reihenweise Romantikkomödien anzusehen, dann schickt sie ihn auf die Abendschule, damit er mehr aus sich macht als einen Barkeeper. Dort allerdings trifft Jon auf die wesentlich ältere, aber umso offenere Esther (Julianne Moore) ...

Wohl weil er selbst vom Schauspiel kommt, setzt Gordon-Levitt bei dieser leicht abstrusen Story vor allem auf sein Ensemble. Und das darf sich ordentlich austoben. Scarlett Johansson hat offensichtlich Spaß daran, endlich mal eine Vollblut-Zicke zu geben. Tony Danza, fast vergessenes Gesicht der 80er-Jahre ("Wer ist hier der Boss?"), dreht als Jons sportbesessener Vater ordentlich auf. Und auch Gordon-Levitt zeigt eine Seite, die man von seinen bisherigen, eher schnuckeligen Auftritten so nicht erwartet hätte - besonders hübsch etwa seine sonntäglichen gotteslästerlichen Fluchtiraden, die er auf dem Weg in die Kirche den anderen Fahrern angedeihen lässt. Das lustvolle Spiel gleicht einige Schwächen aus: Das Drama um Jons Pornos beispielsweise dürfte in den prüden USA nachvollziehbarer sein als hierzulande, und bei einigen Montagen hätte Gordon-Levitt sich ruhig mal kürzer fassen können. Aber der Spaß der Schauspieler überträgt sich mühelos auf die Zuschauer.

Ein wenig problematisch allerdings: Nach eigener Aussage will Gordon-Levitt in seinem Debüt zeigen, "wie Menschen sich gegenseitig zu Objekten degradieren". Während also Jon die Clubs stets auf der Suche nach einem neuen Stück Fleisch durchkämmt, das neben der Triebabfuhr auch ein wenig Selbstbestätigung garantiert, ist Barbara darauf versessen, ihren Freund zu dem perfekten Traumprinzen umzumodeln, den Hollywood ihr versprochen hat. Beiden gehen ihre eigentlichen Gegenüber so ziemlich an den wohlgeformten Hintern vorbei. So weit, so verwerflich, klar. Allerdings geht Gordon-Levitt selbst mit seinen Frauenfiguren nicht viel pfleglicher um: Sie alle dienen nur als Vehikel für die Weiterentwicklung seiner Hauptfigur.

Vielleicht wedelt Gordon-Levitt also etwas heftiger mit der Moralkeule herum, als das angesichts seiner eigenen Leistung angemessen wäre. Aber er tut das so charmant, dass man ihm - ebenso wie seinem Don Jon - gerne alle Unzulänglichkeiten verzeiht. Seine Entwicklungsgeschichte als Regisseur fängt ja auch gerade erst an.

Quelle: teleschau - der mediendienst