Zaytoun

Zaytoun





Lass uns ein Olivenbäumchen pflanzen

Ob das zerbombte Beirut mit seinen trostlosen Flüchtlingscamps, verrotteten Vergnügungsparks und verrosteten Minen zwischen Stacheldrahtverhauen oder einsame Tankstellen als Umschlagplatz zweifelhafter Dienstleistungen aller Art - der israelische Regisseur Eran Riklis versteht es in "Zaytoun" erneut, verfallene urbane Räume und felsige Steppe die hass- und gewalterfüllte Geschichte des Nahostkonflikts erzählen zu lassen. Um das so genannte "Heilige Land" und die menschenverachtenden Machtansprüche darauf ging es schon in seinen Festivalerfolgen "Lemon Tree" (2008) und "Die syrische Braut" (2004). Das waren achtbare Erfolge, doch nun nimmt Riklis mit dem Roadmovie "Zaytoun" Kurs auf das ganz große Kinopublikum. Er hat universelle Sympathieträger am Steuer sitzen, die Abenteuer und Action erleben, deren Versöhnungsgesten aber partout nicht in die kriegsgeschüttelte Landschaft passen.

Im Jahr 1982 tobt im Libanon eine blutige Auseinandersetzung zwischen verschiedenen verfeindeten Gruppen. Nach seiner Mutter verliert der zwölfjährige Palästinenserjunge Fahed (Abdallah El Akal) auch seinen Vater im israelischen Bombenhagel und schließt sich voller Hass radikalen Kämpfern an. Sein Mütchen kühlt er an dem gefangen genommenen israelischen Kampfpiloten Yoni (Stephen Dorff), bis der sich befreien kann - und Fahed sich ihm anschließt.

Fahed will sie beide durch den Libanon führen, wenn Yoni ihn im Gegenzug nach Israel einschleust. Dort will er auf dem ehemaligen Familiengrund das Olivenbäumchen einpflanzen, mit dem die Seinen als einzige Erinnerung an die Heimat einst geflohen waren. Eine lebensgefährliche Reise beginnt - mit dem Taxi, im geklauten Jeep und auf Mauleseln.

"Zaytoun" lässt nichts unversucht, was in einem Film als attraktiv und massentauglich gilt. Gleich zu Anfang dient die blonde Alice Taglioni ("Paris-Manhattan") in der Rolle einer französischen Blauhelm-Soldatin als Blickfang. Der hoch talentierte Abdallah El Akal als schlitzohriger und gleichzeitig sensibler Waisenjunge darf der Empathie von Altersgenossen und Müttern sicher sein. Stephen Dorff soll mit seiner durch Sofia Coppolas "Somewhere" aufgefrischten Bekanntheit auf Zuschauerfang gehen, vergisst im Original aber bisweilen, dass Israelis nicht unbedingt Oxford-Englisch sprechen. Indes verfolgt Drehbuchautor Nader Rizq das doppelte Ziel, die Helden möglichst häufig vor die Münder von Pistolen und Gewehren zu bringen und sie in der Zwischenzeit einander so nah kommen zu lassen, als wären sie Vater und Sohn.

Wenn trotz zeitweise großer Spannung die Sache nicht aufgeht, dann weil Riklis missachtet, was er eigentlich am besten kennt: die Realität des Handlungsortes mit seinen geschichtlichen Fakten, die keinen Platz für die Hochherzigkeit der Akteure hat. "Zaytoun", der Titel, ist das arabische Wort für Olive. Fahed einen Olivenbaum auf dem Boden seiner Familie eingraben lassen zu wollen, ohne dass er das Recht hätte, dort zu bleiben, ist entweder hilfloser Kitsch oder reiner Hohn. In jedem Falle aber, ohne Partei ergreifen zu wollen, eine allzu begütigende, ja irreführende Darstellung der vertrackten Situation im Nahen Osten. Um dem Betrachter unbedingt ein positives Gefühl zu geben, verbiegt sich "Zaytoun" zu oft.

Quelle: teleschau - der mediendienst