Das kleine Gespenst

Das kleine Gespenst





Zurück auf Burg Eulenstein

Wenn das kleine Gespenst dem bärbeißigen Burgverwalter (Aykut Kayacik) frech die Hose herunterzieht, können sich Kinder im Kinosessel kaum halten. Auf diesen gar so unschuldigen Humor baut "Das kleine Gespenst" von Regisseur Alain Gsponer. So mancher begleitende Erwachsene wird sich wieder an diese Zeit zurückerinnern können, denn schon in ihrer Kindheit gehörte der Otfried-Preußler-Klassiker zur Standardlektüre eines jeden Grundschülers. Die fast 50 Jahre alte, beinahe vollkommen originalgetreu erzählte Geschichte über den kleinen Burggeist, der zu gerne auch mal das Tageslicht sehen wollen würde, wurde so liebevoll umgesetzt, dass beide Parteien zufrieden das Lichtspielhaus verlassen werden.

Es lohnte sich, so lange mit der ersten Realverfilmug des Kinderbuches "Das kleine Gespenst" zu warten. Die heutige Technik macht es möglich, dass der kindgebliebene Geist nur albern ist, aber nicht albern aussieht: Große Glubschaugen, runder Kopf, schneeweißes Laken und so beweglich, dass auch wirklich keiner nachkommt. Dazu haben die Macher dem Computer-Gespenst mit der Stimme von Anna Thalbach noch die wohl frechste Zunge des deutschen Kinos verpasst. Ebenso gut synchronisiert: Die Schnabelbewegungen seines Siez-Freundes Uhu Schuhu vertonte Bud-Spencer-Sprecher Wolfgang Hess.

Und so ist alles gerichtet für die beliebte Kindererzählung: Das kleine Gespenst erwacht seit Jahrhunderten jeden Tag zur Geisterstunde in der Burg Eulenstein und treibt dort sein Unwesen. Dank des magischen Schlüsselbunds bleibt ihm keine Tür versperrt, und auch die Herrscher und Hofdamen auf den Wandportraits lassen sich zum Leben erwecken. So richtig langweilig wird es dem Gespenst also nicht, doch ein Traum verfestigt sich immer weiter in ihm: Er will die Burg und die Stadt Eulenberg auch mal bei Tag sehen und nicht nur zur Geisterstunde. Doch gegen die Schläfrigkeit ist einfach nicht anzukämpfen.

Als sich die Stadt und besonders ihr Bürgermeister (Uwe Ochsenknecht) auf die 375-Jahr-Feier zum Angriff der Schweden einstellt, ist es plötzlich soweit: Das kleine Gespenst erwacht nicht zwölf Uhr nachts, sondern zwölf Uhr mittags. Doch die Sonne färbt das schöne, weiße Gewand schwarz und "der schwarze Unbekannte" sorgt für Chaos in der Stadt. Nur Geisterfan Karl (Jonas Holdenrieder) sowie seine Freunde Marie (Emily Kusche) und Hannes (Nico Hartung) wollen dem Umherirrenden helfen und versuchen das Geheimnis um das plötzlich tagesaktive Gespenst zu lüften.

Trotz Geister-Thematik bleibt der Film natürlich harmlos und atmet sehr gemütlich. Dem Geist und seinem Alltag wird viel Raum geschenkt, was aufgrund der schönen Animationen nie langweilig wird. Einzig die allzu heile Welt in "Das kleine Gespenst" vor der malerischen Kulisse von Schloss Wernigerode und der Stadt Quedlinburg wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Problemlos hätte diese Kleinstadtidylle auch zur Zeit der Buchveröffentlichung, 1966, angesiedelt sein können, wenn nicht gar noch früher. Wenig weist darauf hin, dass heute Facebook und PlayStation das Leben der meisten Kinder bestimmt. Die Moral, zu seinen Freunden zu halten und sich nicht alles von oben einreden zu lassen, bleibt aber auch in der heutigen Zeit keine schlechte.

Quelle: teleschau - der mediendienst