Im weißen Rössl - Wehe, du singst!

Im weißen Rössl - Wehe, du singst!





Bloß kein Kitsch!

Die gute Nachricht zuerst: "Im weißen Rössl - Wehe, du singst!" ist tatsächlich kein Remake der 50er-Jahre-Klamotte mit Peter Alexander. Regisseur Christian Theede ("Gonger") und Drehbuchautor Jan Berger ("Eine andere Liga", "Die Tür") erzählen sogar eine andere Geschichte als alle bisherigen Verfilmungen des populären Singspiels von Ralph Benatzky, das 1930 seine Uraufführung feierte. Bei ihrer Interpretation des Stoffs steht nicht Oberkellner Leopold und sein vergebliches Werben um Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber, sondern die Liebesgeschichte zwischen der Fabrikanten-Tochter Ottilie Giesecke und dem Anwalt Dr. Siedler im Zentrum des Films. Und damit die schlechte Nachricht: Es ist eine der wenigen richtigen Entscheidungen, die die Macher treffen.

Eigentlich bieten die großen Gefühle und verschiedenen Lebenswelten die perfekte Bühne für einen Musical-Film: Auf der einen Seite die schlagfertige und selbstbewusste Ottilie (Diana Amft), die im regnerischen Berlin gerade frisch von einem Arbeitskollegen brutal abserviert wurde und in Liebesdingen desillusioniert ist. Sie lässt sich von ihrem Vater Wilhelm (Armin Rohde) überreden, mit ihm ins Salzkammergut zu reisen. Dort trifft sie auf den etwas hüftsteifen, aber blumig fabulierenden Dr. Otto Siedler (Tobias Licht), der sich vor dem Hintergrund des romantischen Alpenpanoramas sofort unsterblich in die Großstädterin verliebt. Dass der von seinen Gefühlen überwältigte Anwalt seine Angebetete sofort mit einem Liebeslied beglücken will, Ottilie ihn aber mit den Worten "Wehe, du singst!" stoppt und sich generell über die ständigen Gesangseinlagen mokiert, geht anfangs noch als netter Drehbuch-Einfall durch.

Denn die ständige Ironie und andauernden Übertreibungen des Films nerven. Das "Weiße Rössl" ist kein idyllischer Sehnsuchtsort, sondern ein modernes Alpen-Lounge-Hotel aus violetten Holzbalken. Das Alpenpanorama darf nie schön-kitschig wirken, sondern wird teilweise durch Effekte künstlich überhöht. Natürlich soll das alles witzig sein, wirkliche Lacher produziert der Film aber nicht. Einige Dialoge zwischen Otto und Ottilie sind zwar flott. Figuren wie Frauenheld und Tausendsassa Sigismund Sülzheimer (Gregor Bloéb) und Szenen wie die als moderner Faustkampf choreografierte Schuhplattler-WM wirken hingegen überzogen und platt. Und ganz wollen die Macher dann auch nicht auf den altbackenen Slapstick-Humor der Peter-Alexander-Version verzichten: Die legendäre Szene, in der der als Oberkellner Leopold ein Tablett auf Wasserski balanciert, wird zitiert.

Eine Hommage? Vielleicht. Was "Im Weißen Rössl" sein will, wird ohnehin nicht klar. Denn auch als Musical funktioniert der Film nicht. Wobei: Selbst diese Neuauflage kriegt die unvergänglichen Melodien des Singspiels nicht klein. Die modernen Interpretationen der Lieder sind zwar teilweise gewöhnungsbedürftig (etwa die Bollywood-Version des Titelsongs), aber meistens einigermaßen gelungen. Höhepunkt der musikalischen Einlagen ist das sehnsüchtige "Zuschauen kann I ned", mit dem Oberkellner Leopold (Fritz Karl) seine Angebetete Josepha (Edita Malovcic) nach deren Abweisung aus der Ferne anschmachtet.

Es ist auch einer der wenigen Momente, in denen der Film die großen Gefühle und Geschichten seiner Figuren tatsächlich ernstnimmt. Und genau das macht einen guten Musical-Film - man denke an "Grease!" oder "Mamma Mia!" - schließlich aus. Bei "Im Weißen Rössl" hingegen schwingt - nicht nur in den Liedern - jedoch zu oft ein ironischer Unterton mit. Bloß kein Kitsch, das scheint die Devise der Macher zu sein. Doch echtes (Mit-)Gefühl, echte Rührung kommt so nicht auf.

Quelle: teleschau - der mediendienst