Katy Perry

Katy Perry





Die brüllende Löwin

Als Katy Perry im Jahr 2010 für ihr drittes Studioalbum "Teenage Dream" in London Rede und Antwort stand, erzählte sie noch mit feuchten Augen von dem Hochzeitsantrag, den der britische Comedian Russell Brand ihr einige Monate zuvor in Indien gemacht hatte. Die Gesprächsatmosphäre war entspannt, und man konnte nur erahnen, dass hier der nächste große Popstar der USA sitzen würde. Drei Jahre später gibt es nun Gewissheit. "Teenage Dream" hat in den USA fünf Nummer-eins-Hits hervorgebracht, was den bisherigen Rekord von Michael Jackson einstellte. Allerdings nicht ohne Kollateralschäden im Privatleben der Katy Perry zu hinterlassen: Ihre Kurzzeitehe mit Brand wurde längst wieder geschieden. Wie sehr ihr die Trennung zu schaffen machte, ließ sich bereits 2012 in der Tour-Dokumentation "Part Of Me" erkennen. Nun kann man es auch hören: Denn schon die Vorabsingle "Roar" zur neuen Platte "Prism" zeugt davon, dass aus dem Schmusekätzchen eine Raubkatze geworden ist, die sich den Liebesfrust von der Seele brüllt.

Mit dem Lied hat die 28-jährige "I Kissed A Girl"-Sängerin aus Santa Barbara es wieder weltweit in die Hitlisten geschafft. Aber sonst ist vieles anders beim erneuten Zusammentreffen: Mit einer Entourage aus Haarstylisten, PR-Beraterin, Bodyguard und Managern läuft sie diesmal beim Interview im Berliner Soho House auf. Fragen zu ihrem Ex-Ehemann Russell Brand und ihrem neuen Musiker-Boyfriend John Mayer sind nicht gestattet, heißt es. Dabei handelt die Hälfte ihres neuen Albums "Prism" überaus deutlich genau davon. Auf jeden Fall hat sich Katy Perry auch diesmal viel vorgenommen. "Ich plane, genauso hart zu arbeiten wie beim letzten Mal, weil ich so unglaublich stolz auf das Album bin. Ich hoffe nur, die Plackerei wird mich nicht umbringen", lacht sie. Es sei sehr therapeutisch gewesen, die neuen Songs zu schreiben, fährt sie fort. Es habe Wunden geflickt. "Zumindest ein bisschen."

Denn auch wenn der Albumtitel dementsprechende Assoziationen weckt: Mit Barack Obamas Abhörprogramm hat "Prism" nichts zu tun. "Nie davon gehört. Ich orientierte mich an der originalen Definition: Ein Prisma ist etwas, das Licht reflektiert. Ich ließ in jüngster Zeit viel Licht in mein Leben, und ich reflektiere es in den Songs."

Im November 2012 fing sie mit dem Schreiben der Stücke an, keine einfache Zeit. "Damals waren noch viele dunkle Flecken auf meiner Seele." Der erste Song, der entstand, war der Titel "By The Grace Of God", der nun das Album beendet. "Der Text des Liedes gibt ein sehr anschauliches Bild davon, wie sehr ich am Boden war. Da gibt es die Zeile, wo ich auf den Fliesen des Badezimmers liege, verzweifelt bin und das Leben hinterfrage - das hat sich genauso zugetragen. Andererseits ist aber auch viel Stärke da, die sich bis zum Ende des Songs immer mehr aufbaut. Offensichtlich schaffte ich es, den schwärzesten Moment meines Lebens zu überstehen!" Was ihr dabei half? "Das waren verschiedene Dinge: Sport, Freunde, die richtigen Vitamine, sogar Therapie. Aber die Gnade Gottes, von der ich in 'By The Grace Of God' singe, ist das Wesentliche, was mir durch diese Zeit half. Ich glaube an eine höhere Macht, eine höhere Energie, ein Schicksal, das über mir kreist und es gut mit mir meint", erklärt die Pastorentochter.

Ein bisschen Abrechnung mit Brand gibt es natürlich auch - aber natürlich nur in der Musik. Der Song "Ghost" beginnt mit der SMS, durch die ihr Ex ihr mitteilte, dass er die Scheidung will. "So rest in peace - see you on the other side", heißt es in dem Stück. Meint sie mit der anderen Seite den Himmel oder die Hölle? Perry lacht. "Weder noch. Es ist lediglich eine Metapher. Denn es geht ja darum, dass jemand, der gegangen ist, trotzdem wie ein Geist weiter in meinem Leben rumspukt! Da ist aber nur wenig Zorn auf der Platte", beteuert die Schöne. Warum auch? Mit US-Musiker John Mayer ("Your Body Is A Wonderland") hat sie seit 15 Monaten wieder einen Mann an ihrer Seite. Schwierig, wieder Vertrauen zu entwickeln, war es für Katy Perry anscheinend nicht. "Es ist nicht so, dass diese Enttäuschung die Liebe in mir abgetötet hätte. Ich bin immer noch eine Romantikerin, die den Wunsch hat, geliebt zu werden. Letztendlich heilt Liebe ja auch vieles. Ich bin sehr glücklich im Moment."

Bei aller Professionalität, die Perry im Jahr 2013 an den Tag legt, muss man ihr den letzten Satz glauben - denn sie strahlt dabei übers ganze Gesicht, das übrigens sehr viel natürlicher herkommt als noch zu "Teenage Dream"-Zeiten. Auch wenn man sich das Album-Artwork ansieht, wirkt alles viel zurückgenommener als noch beim knalligbunten Vorgänger. "Es wird diesmal weniger Make-up und verrückte Kostüme geben, ganz einfach, weil auch die Texte der Songs ehrlicher, organischer und verletzlicher sind. Das letzte Album war süß wie Zuckerwatte und mutete fast schon wie ein Comic an. Damit kannst du nicht ewig weitermachen, denn es würde das Publikum langweilen, und es würde mich langweilen." Fans von Katy Perry müssen sich aber nicht allzu viele Sorgen machen, denn nicht alle Songs sind ernsthaft. Es gibt auch ausgelassene Stücke wie "Walking On Air", "Birthday" und "This Is How We Do" auf der Platte. "Letzteres gefällt mir besonders, denn das Lied hat so einen 'Der Prinz von Bel-Air'-Vibe - die Fernsehshow mit Will Smith liebte ich damals sehr", meint Perry.

Dann wird sie doch noch ganz persönlich, als sie von ihren schwulen Freunden schwärmt, ihrer 93-jährigen Oma huldigt und von ihren Katzen Kitty Purry und Krusty The Cat erzählt. "Einer der besten Tage des Jahres war ja, als mich John mit zum Tierheim nahm. Meine beiden Katzen stammen auch aus dem Tierheim, sie lebten davor auf der Straße. Sie haben sich magisch in mein Leben geschlichen. Ich liebe Katzen!" Immerhin das hat sich mit dem neuen Album nicht geändert. Aber was liebt Katy Perry an den Samtpfoten? "Sie sind unabhängig, stark und intelligent. Und sie haben den besten Job der Welt: fressen, schlafen, fressen. Ich glaube, ich wäre in meinem nächsten Leben selbst gerne Katze." Die Sängerin hält kurz inne und legt nach: "Ach nein, eigentlich bin ich es jetzt schon. Ich brülle allerdings wie eine Löwin."

Quelle: teleschau - der mediendienst