Sputnik

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Beam me up, Sputnik

Die DDR im November 1989: Die Tage des Landes sind gezählt, auch wenn das in dem kleinen Dorf Malkow niemand ahnt. Hier geht alles seinen sozialistischen, etwas behäbigen Gang. Allein hinter den Kulissen tut sich Geheimnisvolles: Die zehnjährige Rike (Flora Li Thiemann) und ihre Freunde basteln an einer mysteriösen Maschine, einem Teleporter. Damit soll Rikes Onkel Mike (Jacob Matschenz), der nach einem Ausreiseantrag die DDR verlassen hat, in den Osten zurückgebeamt werden. Das ist natürlich streng verboten, denn der Eiserne Vorhang teilt noch beide deutschen Staaten. Dorfpolizist Mauder (Devid Striesow) ist entsprechend misstrauisch und spioniert den Kindern nach. Die wollen tatsächlich nicht nur Onkel Mike aus West-Berlin zurückholen, sondern auch die Welt verändern. Das geht in "Sputnik" auf einmal schneller als gedacht ...

Sputnik, so hießen die ersten sowjetischen Satelliten, die die Erde umkreisten. "Sputnik", so heißt auch der erste Film, der das Thema Wende aus der Perspektive von Kindern thematisiert. Eine ambitionierte Produktion, mit mittlerem Staraufgebot und wohltemperiertem Ost-Ambiente. Die Nudossi-Dose darf genauso wenig fehlen wie der luftig dröhnende Wartburg und das immer etwas zu eng geknotete Halstuch. "Sputnik" ist der erste Langfilm von Autor und Regisseur Markus Dietrich, der bisher mit Kurz-Produktionen auf sich aufmerksam gemacht hat.

Die Idee, die Wende als Nebeneffekt eines Kinderabenteuers zu erzählen, ist sehr charmant. Der geschichtliche Kontext wird wie nebenbei erzählt, durch spielerisch eingebundene Datumsangaben, TV-Ausschnitte im Dorfgasthof (Schabowski-Pressekonferenz), episodische Randnotizen. Im Zentrum steht das große Kinderabenteuer, der Bau einer Beam-Maschine aus abmontierten Auto- und Rasierspiegeln. Der Fall der Mauer ist eher der pädagogische Bezugsrahmen, über den auch Eltern und Lehrer den Einstieg in den Film finden.

"Sputnik" hat seine Stärken, verwebt Abenteuerflair mit Dorfidylle und neuerer deutscher Geschichte. Auch zeigt sich der Brandenburger Markus Dietrich als guter Beobachter und erzählt von kindlichen Leidenschaften und Weltraum-Begeisterung, von zarten Banden und ausgemachten Kindereien. Nur etwas mehr Pfeffer hätte der Sache gut getan, denn insgesamt ist der Film leider etwas fade und mutlos geraten. Die jungen Darsteller überzeugen zwar, wenn sie als kecke Rabauken und schüchterne Erfinder "Sputnik" Leben einhauchen. Die Erwachsenen aber wirken wie aussortierte Jahrmarkt-Chargen, ihre Schrullen sind einfallslos und bemüht. Das Sensible im Zwischenmenschlichen bleibt mitunter ganz auf der Strecke. Wenn es doch einmal Funken schlägt, dann, wenn Dorfbulle Striesow und Tante-Emma-Ladenbesitzer Herr Karl (Andreas Schmidt) die Klingen kreuzen. Da ist die Behäbigkeit mit einem Mal weg, blitzt die pure Spielfreude.

Die deutsche Filmhistorie jedenfalls wird durch "Sputnik" nicht ärmer oder reicher, nur um einen Film erweitert. Die DDR und ihre Geschichte sind seit "Sonnenallee" und "Goodbye, Lenin!" ohnehin fester Bestandteil der Kinokultur. Doch auch nach "Sputnik" hat man das unbestimmte Gefühl, dass die DDR ein merkwürdiger Ort mit seltsamen Menschen war. Nur wie es wirklich zuging in dem Land zwischen Polen und Schnackenburg, das kann einem keiner erzählen. Muss ja auch nicht; aber für eine Kinderkomödie hätte "Sputnik" wenigstens unterhaltsamer sein dürfen.

Quelle: teleschau - der mediendienst