Der fast perfekte Mann

Der fast perfekte Mann





Macho meets Kind

Entsteht da etwa ein neues Genre im deutschen Film? Mit einem Titel wie Macho-meets-Kind vielleicht? Nachdem Til Schweiger 2011 in "Kokowääh" unvermittelt die Erziehungsgewalt über eine Achtjährige erhielt (und damit vier Millionen Deutsche in die Kinos lockte), war 2012 dann Sebastian Bezzel dran: Der wurde in "Vatertage" allerdings nicht nur Papa, sondern gleich noch "Opa über Nacht". Dass sich dafür nur noch rund 130.000 Kinogänger interessierten, bereitet dem Produzententeam um Nico Hofmann offensichtlich kein Kopfzerbrechen: Unter der Regie von Vanessa Jopp darf nun Benno Fürmann in "Der fast perfekte Mann" von einem Kind lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Nach einem schweren Autounfall seiner Mutter ist sein entfremdeter Onkel Ulf (Fürmann) der einzige Verwandte, der Aaron ("Tom Sawyer" Louis Hofmann) noch bleibt. Und so ungelegen dem die plötzliche Ziehvaterschaft auch kommt - abweisen kann der Macho den Jungen nun auch nicht. Wie stark seine Vaterqualitäten bald gefragt sein werden, ahnt der Ulf jedoch noch lange nicht, als er seinen Neffen widerwillig bei sich aufnimmt: Während der TV-Moderator lernt, verletzte Tauben zu verarzten und bohrende Kinderfragen zu beantworten, erwartet seine frischgebackene Ex-Freundin Anni (Jördis Triebel) ein Baby von ihm ...

Mit ihren vorherigen Kinofilmen "Komm näher" (2006) und "Meine schöne Bescherung" (2007) legte Regisseurin Vanessa Jopp die Messlatte für ihr neustes Werk nicht gerade niedrig an: Im ersten gelang es ihr scheinbar mühelos, Tragik und Komik zu verbinden, der zweite gilt als gelungenes Beispiel für eine deutsche Screwball-Komödie. Warum also fühlt sich "Der fast perfekte Mann" nun so bemüht an?

Die Sätze, die Autorin Jane Ainscough den Darstellern vorgibt, klingen zuweilen doch sehr nach Drehbuch - und zwar nicht auf die raffiniert-schlagfertige Art, sondern leider die hölzerne. Kompensieren können das die Darsteller in ihrem Spiel nicht immer: Irgendwann fallen sogar die kleinen Kunstpausen auf, in denen der Zuschauer den Gag verarbeiten sollte, wenn er denn gezündet hätte. Die Momente also, in denen in US-Sitcoms das Gelächter vom Band käme. Die hochkontrastige Ausleuchtung, die für deutsche Kinokomödien in letzter Zeit gern gewählt wird, trägt auch nicht gerade dazu bei, dass alles weniger gekünstelt erscheinen zu lassen.

Das wäre vielleicht alles gar nicht so wichtig, wenn Jopp und Ainscough das Publikum nicht auch auf einer sehr emotionalen Ebene erreichen wöllten. Sie möchten in ihrem Film auch über Entfremdung sprechen, über den Tod, Abtreibung und Einsamkeit. Über ernste Themen, an die die Zuschauer im Rahmen einer Komödie tatsächlich sanft herangeführt werden könnten. Doch das funktioniert eben nur, wenn die Figuren, die mit diesen Problemen konfrontiert werden, auf das Publikum nicht wie Figuren, sondern wie Menschen wirken.

Quelle: teleschau - der mediendienst