Ender's Game - Das große Spiel

Ender's Game - Das große Spiel





Letzte Hoffnung auf schmalen Schultern

Kinder gegen Krabbelkäfer: Normalerweise keine Frage, wer da den Kampf gewinnt. Die armen Viecher werden entweder ganz profan plattgetreten oder, von besonders perfiden Naturen, mit Hilfe der Sonne und einer Lupe verbrannt. Aber was, wenn die Insekten besonders groß sind, besonders aggressiv - und in Raumschiffen unterwegs? Das ist das Szenario, das in "Ender's Game" aufgebaut wird. Orson Scott Card veröffentlichte 1985 ein preisgekröntes Jugendbuch, in dem der hochbegabte Ender Strategien gegen eine außerirdische Invasion entwerfen muss, die die ganze Erde bedroht. In seiner Ausbildung an der Militärakademie stellt sich mehr und mehr heraus, dass er der Einzige ist, der das taktische Gespür hat, den Krieg zu gewinnen - und damit die Menschheit zu retten. Aber Ender, ein eher schüchternes Gemüt, verzweifelt fast an der Verantwortung ...

Während sich Ender im Film der großen Herausforderung ganz alleine stellen muss, trägt Nachwuchsdarsteller Asa Butterfield ("Hugo Cabret") nicht die gesamte Last der Produktion auf seinen Schultern. Stattdessen wurden ihm ein paar namhafte Kollegen zur Seite gestellt: Sir Ben Kingsley spielt Commander Mazer Rackham, den letzten erfolgreichen Feldherrn der Erde, Harrison Ford gibt daneben den unerbittlichen Ausbilder, Colonel Hyrum Graff. Und auch Butterfields Kolleginnen sind alles andere als Unbekannte: Sowohl Abigail Breslin ("Little Miss Sunshine", 2006) als auch Hailee Steinfeld ("True Grit", 2010) waren beide schon für den Oscar nominiert, bevor sie 15 waren.

Allein: Die ganze Starpower bleibt letztlich wirkungslos. Denn Gavin Hood ("X-Men Origins: Wolverine") hetzt derart durch die kühl inszenierte Geschichte, dass die Schauspieler kaum Gelegenheit haben, einmal tiefer in ihren Figuren zu schürfen. Auch das eigentlich titelgebende Spiel, mit dem Ender seine Freizeit verbringt und dabei unwissentlich seinen Vorgesetzten Einblick in seine Psyche erlaubt, wird nur am Rande angerissen und vor allem als Zeitvertreib mit fantastischem Gameplay gezeigt. Der Sinn dürfte sich den Zuschauern, die die Buchvorlage nicht kennen, nur schwer erschließen. Stattdessen werden Enders Trainingseinheiten mit seinem Team in einem schwerelosen Raum als epische Schlachten inszeniert. Große Bilder gibt es dadurch in dem Film zuhauf; große Momente dagegen bleiben aus. Dazu ziehen sich noch einige verstörende Ideale durch die Handlung.

So versucht Hood, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, dem Ganzen einen humanistischen Anstrich zu geben. Ender will seine Gegner nicht vernichten, sondern verstehen. Dazu ist der eigenwillige Junge sogar zu einem Dialog mit den Insektenwesen bereit - für seine Vorgesetzten, allen voran den skrupellosen Graff, undenkbar. Ihr absoluter, fast schon faschistischer Vernichtungswille wird nicht nur durch Ender selbst, sondern auch durch den weiteren Verlauf der Handlung durchaus kritisiert. Umso unheimlicher, dass ein anderes faschistoides Ideal völlig unkritisch weitergetragen wird: der Führerkult.

Von Beginn an versucht der harte Hund Graff, Ender zu isolieren, indem er ihn regelmäßig über seine Kameraden hinaushebt. Er will ihn zu einem seelisch selbstgenügsamen Menschen heranziehen, der in seiner Führungsrolle aufgeht. Doch Ender - eigentlich ein blasses, schüchternes Jüngelchen - erweist sich als ein solcher Charismatiker, dass ihm über kurz oder lang die gesamte Truppe ergeben folgt und jeden seiner Einfälle als Geniestreich feiert; ganz so, wie es offenbar auch der Zuschauer tun soll. Das ist nicht nur angesichts der eigentlichen Schlichtheit seiner Taktiken besorgniserregend. Letztlich fliegt der Jüngling sogar als Heilsbringer für ein ganzes Volk alleine hinaus ins All - und lässt seine Zuschauer unbeeindruckt bis verstört im Kinosessel zurück.

Quelle: teleschau - der mediendienst