Alles eine Frage der Zeit

Alles eine Frage der Zeit





Lebe lieber gewöhnlich ...

Richard Curtis ist eigentlich ein brillanter Autor. Zahlreiche britische Komödienerfolge stammen aus seiner Feder: der nerdige "Mr. Bean", "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" und "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" gehören dazu. Bei Curtis treffen romantische Gefühle auf herrlich schwarzen Humor. Meistens jedenfalls. Zuletzt inszenierte er, einmal mehr mit Herzblut, die Musikkomödie "Radio Rock Revolution" - durchaus unterhaltsam schipperte man mit ihm zum Soundtrack der 60er-Jahre übers Meer. Nun widmete sich Curtis wieder dem großen Thema: "Liebe". Sie, so will er den Betrachter glauben machen, kann alles richten. Dazu folgt der lebensbejahende Curtis seiner eigenen, romantisierenden Logik: "Alles eine Frage der Zeit".

Die Hauptfigur Tim (Domhnall Gleeson) ist ein guter Kerl, ein bisschen schüchtern vielleicht und nicht unbedingt attraktiv, aber gänzlich unverdorben. Er kommt aus einer guten, intakten Familie mit einem hübschen Domizil am Meer, hoch über der Küste Cornwalls. Aber mit der Liebe läuft es eben nicht besonders, für die Frauen ist er nur ein Kumpel - ein erotisches Begehren weckt er in ihnen nicht.

Das wird sich ändern, denn als Tim 21 wird, eröffnet ihm sein Vater (Bill Nighy) ein Familiengeheimnis: Alle Männer in seiner Familie besitzen die Fähigkeit, zurück in ihre Vergangenheit zu reisen. Tim ist erst skeptisch, aber als es funktioniert, nutzt er diese Gabe, um missglückte Begegnungen zu korrigieren: Zeit für Nachhilfe in Sachen Liebe. Als er der hübschen, aber ziemlich unsicheren Mary (Rachel McAdams) beim humorvoll umgesetzten Dinner im Dunkeln begegnet, scheint dies der Beginn einer großen Liebe, auch ohne Tricksereien. Doch dann muss Tim doch nachhelfen, muss immer wieder zurück auf Anfang. Das sorgt für durchaus lustige Momente, etwa wenn es um die erste gemeinsame Nacht geht, in der der angespannte Tim erst beim zweiten oder dritten Anlauf den versierten, unermüdlichen Liebhaber zu geben vermag.

Für jede verpatzte Situation gibt es in diesem Kinomärchen eine zweite Chance, um es besser zu machen, um die Dinge zum Guten zu wenden. Prinzipiell eine schöne, verführerische Idee. Auch wenn bei genauerer Betrachtung Curtis' dramaturgischer Trick der korrektiven Zeitreise ein bisschen albern ist. Im Film jedenfalls sind Tims Zeitreisen ein probates Mittel, um das ersehnte Ehe- und Familienglück zu erreichen. Allein seine glücklose, depressive Schwester Kit Kat (Lydia Wilson) sorgt für Unstimmigkeiten in dieser perfekten Welt. Und dann schlägt das Schicksal noch einmal zu ...

"Alles eine Frage der Zeit" ist ein warmherziger, hoffnungslos romantischer Film, mit witzigen Dialogen und überzeugenden Hauptdarstellern - brillant wie immer ist in seiner schrägen Art Bill Nighy. Aber auch der Ire Domhnall Gleeson und die Kanadierin Rachel McAdams, Letztere abonniert auf romantische Lovestorys, verleihen ihren Figuren authentische Tiefe. Die erwähnten Zeitreisen werden dabei nicht in Science-Fiction-Manier effektreich in Szene gesetzt, sondern einfach über Schnitte integriert. Dass diese Reisen einer konsequenten Logik entbehren, ist nicht weiter wichtig. Was allerdings irritiert, ist Curtis' sentimentaler Eifer, mit dem er als einzig gültigen Lebensentwurf den der intakten Familie propagiert. Das ist eben seine etwas kitschige Art, eine durchaus kluge, versöhnliche Botschaft zu vermitteln: nämlich dankbar zu sein für dieses Leben, das man hat.

Quelle: teleschau - der mediendienst