Frau Ella

Frau Ella





Grannie auf Roadtrip

Der irgendwie immer nette Matthias Schweighöfer ist ein Typ Teenie-Erwachsener, den jeder gern hat. Wenn dieser Sympathieträger auf eine Grande Dame des deutschen Fernsehens, Ruth-Maria Kubitschek ("Monaco Franze"), trifft, sollte Großes geschehen. Beide finden jedoch bis auf ein paar einzelne Szenen kaum zueinander. Sie spielen gar nebeneinander her. Hätte Regisseur Markus Goller mit einem auch komisch überzeugenden August Diehl nicht einen Dritten im Bunde, sein Road-Movie "Frau Ella" wäre vollends an die Wand gefahren.

Sein Spruch ist so nicht ganz richtig. Er fühle sich wie das fünfte Rad am Wagen, sagt der Herr Klaus (August Diehl), während er einen hübschen alten Benz durchs französische Hinterland steuert. Tatsächlich war diesem Klaus auch nur eine Außenseiterrolle zugedacht. Matthias Schweighöfer und Ruth-Maria Kubitschek jedoch wollen oder können nicht so recht miteinander, sodass zwischen den beiden eigentlichen Stars der Road-Komödie "Frau Ella" eine so große Lücke entsteht, dass sich August Diehl darin wunderbar entfalten kann - wenigstens er.

Sascha (Schweighöfer), ein gescheiterter Mediziner, der sich in Berlin als rasender Taxifahrer verdingt, kommt nach einem Unfall im Krankenhaus. Dass er dort in einem gemischten Doppelzimmer mit der schnarchenden "Oma" Ella (Kubitschek) landet, hat mit einem Wasserrohrbruch auf der Männerstation zu tun. Sei's drum. Der große Altersunterschied trennt die beiden. Und doch rettet Sascha die in Würde ergraute Dame vor einer lebensbedrohlichen Operation, indem er sie "entführt". Seine Begründung, gemeint als (pseudo)kritischer Seitenhieb auf die bösen bösen Abzocker im Gesundheitswesen: "Dieses Scheiß-System will nur abkassieren!"

In Saschas WG, die er mit dem schrägen Klaus bewohnt, hat der Film seine besten Szenen. Die alte Ella blüht in einem angestaubten, aber coolen 1950er-Jahre-Ambiente wunderbar auf. Der stets unterhaltende Klaus serviert herrlich altmodische "Heiße Liebe", und alle drei zusammen erleben eine rauschende Partynacht. Florian Beckerhoffs Romanvorlage führt genau diese unbeschwerte Zeit, wenn Jung und Alt zu einer wohltuend amüsanten Einheit werden, länger aus. Regisseur Goller und Schweighöfer als Produzent dagegen setzen auf einen langatmigen Roadtrip nach Frankreich.

Dort soll Frau Ellas einzige Liebe, der amerikanische G.I. Jason, leben. Und da Saschas Seele wegen der Trennung von seiner schwangeren Freundin gerade arg sensibel ist, schlägt er vor, eben diesen zu suchen. Unterwegs auf der Straße sind die Landschaftsaufnahmen zwar schön, jedoch gerät die Fahrt zur langatmigen Aneinanderreihung einzelner Momente. Natürlich kommt es zu einer Panne, selbstverständlich trübt ein Streit die Stimmung, und freilich folgt die vorübergehende Trennung der Gruppe. Um der Reise überhaupt einen Sinn zu geben, halten Weisheiten wie "Ich weiß, dass zur Liebe Mut gehört" oder "Man bereut nicht die Fehler, die man gemacht hat. Sondern die, die man nicht gemacht hat" das ungleiche Trio zusammen.

Zum Ende hin blickt Ruth-Maria Kubitschek etwas verloren über den Atlantik. Vielleicht ahnt die 82-jährige Schauspielerin, dass "Frau Ella" wohl einer ihrer letzten großen Kinofilme ist. Schweighöfer beobachtet sie dabei. Und wird seinem Namen gerecht: Er schweigt. Ein passender Spruch wäre angebracht und würde einer traurigen Einsamkeit eine Würde geben. Doch auch dieses Zusammenspiel bleibt aus. Schade. Und was macht eigentlich der Klaus? Der notorische Single hat ein Date. Er wird hinfahren - nach Paris. Schließlich ist es ja so, dass zur Liebe Mut gehört. Zu einem guten Kinofilm übrigens auch.

Quelle: teleschau - der mediendienst