Bud Spencer

Bud Spencer





Der sympathischste Haudrauf der Filmgeschichte

Es gebe kaum etwas, das er nicht ausprobiert hätte, sagt Bud Spender. "Berge bestiegen, in Amazonien mit den Indios gelebt. Nur Operntänzer war ich nie", resümierte er 2011 im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". Tatsächlich gilt der als übergewichtiger Film-Grobian berühmt gewordene Schauspieler als eine Art Tausendsassa: Er ist Sportler, Erfinder, Abenteurer, Musiker, liebender Vater, treuer Ehemann und Autor: Bud Spencer veröffentlichte gerade ein drittes Buch ("Ich esse, also bin ich", Schwarzkopf & Schwarzkopf). Am 31. Oktober vollendet Carlo Pedersoli, so sein bürgerlicher Name, sein 85. Lebensjahr. Da lässt sich kabel eins nicht lumpen und widmet dem "Plattfuß" am Samstag, 1. Dezember, einen kompletten Thementag mit vielen Film-Highlights und einem exklusiven Beitrag von Reporterin Kathy Weber, die ab 22.15 Uhr einen Blick auf das bewegte Leben des italienisches Kultstars wirft.

Es ist die familienkompatibelste Form der Gewalt: Wenn der Koloss im Fernsehen beide Arme gerade nach vorne streckt, um den schwankenden Bösewicht von links wie rechts gleichzeitig eine Backpfeife zu verpassen oder ihm mit der Faust eins auf den Deckel hämmert, dann jubeln ihm Vater und Sohn seit Generationen vom Fernsehsessel aus zu. Oft haben auch Mutter und Tochter mehr als ein mildes Kopfschütteln dafür übrig.

Über den Mann hinter der groben Fassade namens Bud Spencer gibt es keine zwei Meinungen. Carlo Pedersoli ist ein intelligenter, humorvoller und vor allem liebenswerter Mensch. Zudem ist er, dem Kino-Alter-Ego ganz ungleich, ein friedfertiger Zeitgenosse: "Bud Spencer würde jedem, der ihn stört, eine verpassen. Ich dagegen lehne Gewalt ab", sagte Pedersoli einmal.

Bud Spencer erreichte seinen Karrierehöhepunkt Anfang der 1970er-Jahre. Der Film "Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971), den kabel eins am 1. November um 1.45 Uhr im Programm hat, war hierzulande der erfolgreichste Streifen des Jahrzehnts und ist noch heute einer der erfolgreichsten der deutschen Kinogeschichte. Auch die Filme vor und nach dem Klassiker füllten die Kinoränge. Dabei war es egal, ob man den stolzen Neapolitaner und gläubigen Katholiken als Cowboy, Polizist oder einfachen Streuner verkleidete, auf der Leinwand war immer Bud Spencer zu sehen - ein Elefant im Porzellanladen, der auch als Bandit die noch größeren Banditen zur Rechenschaft zog. Dabei konnte er Schläge und Tritte einstecken, Stühle zersprangen auf seinem Rücken - der 1,94-Meter-Hüne gab sich stets unbeeindruckt und verteilte in seinem eigenen Tempo die Doppel-Backpfeife oder den ebenso bekannten Faustschlag von oben auf die Schädeldecke.

Am besten funktionierte Pedersoli gemeinsam mit Schauspielkollege Mario Girotti alias Terence Hill, dem sportlichen Womanizer mit den stechend blauen Augen. Auf die Frage, wer denn der stärkere der zwei Haudegen gewesen sei, kam Girotti 2002 in einem italienschen Interview ins Schwärmen: "Was zwischen uns und mit uns passierte, ist eine unerklärliche Sache. Ich war wie ausgewechselt, wenn ich mit ihm zusammen arbeitete und er war anders, wenn er mit mir zusammen war. Das passierte instinktiv. Solche Filmpaare sind selten, weil es, ich möchte es so ausdrücken, keine Sache von Anleitung oder Geist ist, sondern eine emotionale Arbeit." Neben den gemeinsamen Prügeleien futterten und quatschten sich beide durch Wüste, Dschungel und Großstadt, begleitet von Liedern, die eng mit dem Kult um die Klamaukfilme verbunden sind.

Eben dies, die Musik, war eine der schon längst vergessenen Leidenschaften des im Oktober 1929 in Neapel geborenen Pedersoli. Für die italiensche Plattenfirma RCA komponierte er in seinen Dreißigern Volkslieder und Schlager. Zu dieser Zeit war sein erster großer Stern schon gesunken. Denn die Karriere Nummer eins des Italieners war, erinnert man sich an seine in den Filmen berühmt gewordene Statur, eine schwer vorstellbare: Carlo Pedersoli war ein gefeierter Schwimmstar, siebenmaliger italienischer Meister im 100-Meter-Freistil, zweifacher Olympionike. Und das trotz einer Schachtel Zigaretten am Tag und den Qualen eines Jurastudiums, das er allerdings nicht zu Ende brachte.

Entdeckt habe er sein Talent durch Zufall als Vierjähriger, als ein Seemann ihn einfach ins Meer schmiss, erzählte Pedersoli in seiner 2011 erschienen Autobiografie. Im selben Jahr benannte Schwäbisch Gmünd sein Freibad nach dem Faustfilm-Schauspieler - 1951 war dieser mit der italienischen Schwimmnationalmannschaft in der Stadt zu Gast. Als großer Sportstar ging er während der 1950er-Jahre das erste Mal auf Tuchfühlung mit dem Filmgeschäft und übernahm Statisten- und kleinere Rollen in Sandalenfilmen wie "Quo Vadis" und "Hannibal".

1958 beendete er seine Karriere im Schwimmerbecken und ging zurück nach Südamerika, wo er schon im Kindesalter mit seinen Eltern längere Zeit verbrachte. Er verdingte sich unter anderem als Straßenarbeiter beim Bau der Panamericana-Straße. Zurück in Italien heiratete Pedersoli Maria Amato, mit der er drei Kinder in die Welt setzte und bis zu seinem Ableben zusammenzubleiben gedenkt: "Mein Vater war nie im Mittelpunkt irgendwelcher Skandale. Als Junge erzählte er mir, dass er viele Angebote von Frauen hatte, aber er liebte meine Mutter. Schon die Idee, sie zu betrügen, machte ihn krank", erzählte Sohn Guiseppe 2011 in einem Interview mit einer italienischen Zeitschrift.

Wie zum Schwimmen kam er auch zum Schauspiel durch Zufall: Pedersolis Frau Maria ist Tochter eines berühmten italienischen Filmproduzenten, bekannt mit den Größen der Branche. Regisseur Guiseppe Colizzi suchte 1967 nach einem Beinbruch einer seiner Schauspieler einen stämmigen Hünen für "Gott vergibt ... Django nie!" und fand diesen in Pedersoli. Um nicht von Freunden erkannt zu werden, ließ er sich einen Bart wachsen und nannte sich Bud Spencer - übrigens eine Zusammensetzung aus dem Namen seines Lieblingsbiers, Budweiser, und seines Lieblingsschauspielers, Spencer Tracy: "Ich wollte wirklich nur diesen einen Film machen ... Na ja, am Ende sind es dann doch 104 geworden", sagte er 2010 in einem Interview.

Über die Jahre hinweg traten neben Filmen und Serien weitere Leidenschaften zu Tage: Pedersoli gründete eine Fluglinie und kandidierte sogar für Regionalwahlen 2005. Er erfand eine Einweg-Zahnbürste mit integrierter Zahnpasta und einen Gehstock mit ausklappbaren Stuhl sowie Tisch: "Vor einiger Zeit hat er versucht, ein sich mit einem Propeller selbst aufladendes Auto zum Patent anzumelden. Er tat dies mit dem Enthusiasmus und der Energie eines 20-Jährigen", berichtete Sohn Guiseppe 2011.

"Schon seit unserem ersten Schrei als Säugling sind wir auf dem Weg zum Tod. Ich habe deshalb ein Motto: Lass mich vorbei, ich lebe gerade mein Leben", sagte Pedersoli im selben Jahr gegenüber "Focus". Nun stand es wirklich schlecht um den großen Star, der mit Magenblutungen, die er erst nicht bemerkt hatte, im Krankenhaus behandelt wurde. Doch er hat es wieder geschafft. "Gerettet hat mich am Ende meine liebe Frau Maria", zitierte ihn Mitte Oktober die "Bild"-Zeitung. "Weil sie so lange und immer wieder gedrängelt hat, bis ich endlich zum Arzt gegangen bin." Er erhole sich im Kreis seiner Familie, hieß es, und drehe sogar wieder einige Runden im Schwimmbad: "Eine Sache war bei der ganzen Aufregung gar nicht so schlecht. Ich habe 15 Kilo abgenommen und fühle mich dadurch gleich 15 Jahre jünger." Da gratuliert man doch gerne!

Quelle: teleschau - der mediendienst